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Pfarrer im Ruhestand Ludwig Burgdörfer vor einem blauem Hintergrund.
Ludwig Burgdörfer meint

Jesus ist ein Jude gewesen

Das Bild zeigt eine Aufnahme der Stadt Jerusalem. Kolumne
Canva

Pfarrersleute haben ihre Lieblingsthemen. Darüber predigen sie oft und gern. Ich hatte mal einen Kollegen, der am liebsten gegen den damals überschallpräsenten Fluglärm gepredigt hat. Andere haben andauernd den Umweltschutz angemahnt. Ich habe unentwegt die Friedenstauben aufsteigen lassen.

Heute würden wir vielleicht als „authentisch“ gelten. Dabei hätten sich die Leute damals auch danach gesehnt, einmal etwas anderes zu hören. Vor allem mehr Tröstliches und mehr Ermutigung.

Und dann hatten und haben wir alle natürlich auch unsere Tabuthemen. Zumindest Aspekte des Glaubens, die wir weniger gern mögen. Bei mir ist es der sogenannte „Israelsonntag“ in der Sommerzeit. Das konkurrenzlos erwählte Gottesvolk der Juden gilt mit seinem uneinholbaren Vorsprung an Gottesbeziehung als seine „erste Wahl“. Das in Kombination zu sehen mit unserer Geschichte im Umgang mit dem jüdischen Volk: Da kann einem doch nur das Wort im Halse stecken bleiben.

Das Titelthema diese Woche lautet „Christen im Heiligen Land“. Diesmal kommt es mir schwieriger vor als sonst. Angesichts der Notwendigkeit, zwischen dem Volk der Juden und dem Staat Israel zu unterscheiden. Die Politik des Landes nicht gleichzusetzen mit der Würde des erwählten Gottesvolkes. Wie leicht wird alles in einen Topf geworfen.

In diesem Dilemma rettet mich Jesus selbst. Das Kind in der Krippe ist jüdischer Herkunft. Das jüdische Volk sein Volk. Die jüdische Frömmigkeit und Kultur sein ABC. Von diesem König der Juden geht unsere Glaube um die ganze Welt. Christen sind nur einen kleinen Moment lokal auf jüdischem Hoheitsgebiet zuhause, dann ganz bald überall.

So hat es Jesus selbst geplant, als er sich verabschiedet hat von seinen Leuten. „Gehet hin in alle Welt! Stiftet zur Freundschaft an mit allen Völkern!“ Global prayer – beten für alle. Erst recht für das Volk, aus dessen Mitte das einzige Bild stammt, das wir von Gott haben.

Das meint Ludwig Burgdörfer. Und was meinen Sie?

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