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Pfarrer Nicolai Opifanti vor einem blauen Hintergrund.
Nicolai Opifanti meint

Kirche und Israel

Am Esstisch wird einem Kind aus einem Buch vorgelesen; auf dem Cover ist ein Davidstern. Kolumne
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Am 10. Sonntag nach Trinitatis wurde in vielen Gemeinden traditionell der Israelsonntag begangen. Ziel des Sonntags ist es, unser Verhältnis als Christen zum Volk Israel und zum Judentum zu bedenken. Den Israelsonntag gibt es in der christlichen Tradition schon seit dem 16. Jahrhundert.

Israel? „Oh nein“, höre ich da schon manche von Ihnen sagen, „nicht auch noch hier im geistlichen Wort, Politik.“ Keine Sorge, ich bin weder Nahostexperte noch maße ich mir an, die unübersichtliche politische Lage in dieser Region zu durchschauen. Ich bleibe beim Geistlichen. Denn geistlich gesehen gehören Christen und Juden aufs Engste zusammen.

Jesus war Jude, die Apostel waren Juden und wesentliche Grundlagen unseres Glaubens fußen auf der jüdischen Tradition und der hebräischen Bibel. Paulus verwendet im Römerbrief für diese enge geistliche Zusammengehörigkeit von uns Christen zum Judentum das Bild eines Ölbaums. Wir Christen in Europa sind in diesem Bild wie Zweige eines wilden Ölbaums, die in den Ölbaum der jüdischen Tradition eingepfropft worden sind. Heißt: Wir sind als Christen getragen von den Wurzeln des Judentums.

Ganz geistlich gesehen sind wir daher als Christen nicht imstande, neutral gegenüber dem Judentum zu sein. Ein Christ kann natürlich mit der aktuellen Politik Israels hadern und darf diese auch kritisieren, aber antisemitisch sein, das geht nicht. Das wäre, als würde er selbst Hand anlegen an die, die ihn und seinen Glauben tragen. Geistlich gesehen gilt daher recht einfach: Christ und Antisemit, das verträgt sich nicht.

Leider wurde dies in der Vergangenheit vielfach verdrängt oder gar bestritten. Hier haben auch wir evangelischen Christen eine Tradition, die leider alles andere als ruhmreich ist. Denken wir nur an die entsprechenden Schriften Martin Luthers. Auch wenn im Zuge des Reformationsjubiläums 2017 hier eine kritische Auseinandersetzung stattgefunden hat, bleibt es unsere dringende Aufgabe, allen Formen von Antisemitismus entgegenzuwirken, uns kritisch auch mit der eigenen Tradition auseinandersetzen und daraus zu lernen, dass es gesundes christliches Leben nur dann geben kann, wenn wir uns der engen geistlichen Verbindung zum Judentum bewusst bleiben.

 

Das meint Nicolai Opifanti. Und was meinen Sie?

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