Ich sitze in der Bahn und schau mir die Leute an. Fast alle hängen am Smartphone. Schade eigentlich, denke ich zuerst. Keiner, der seine Umgebung wahrnimmt, das bunte Herbstlaub sieht, das in der Sonne leuchtet. Dann schaue ich genauer hin und lächle unwillkürlich in mich hinein. Die junge Frau gegenüber grinst breit, tippt schnell und liest aufmerksam die Antwort. Das scheint ein spaßiger Chat zu sein. Ein Schüler auf dem Heimweg spielt offensichtlich ein Handy-Spiel. Eine Frau ist ganz vertieft. Liest sie einen Artikel, ein Buch?
Dann greife auch ich zum Smartphone. Schaue mir Fotos vom Ausflug an, beantworte eine E-Mail und schaue im digitalen Stadtplan nach dem besten Fußweg zu meinem nächsten Ziel.
Klar ist es auch schön, gelegentlich in der Bahn mit einem wildfremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Das bunte Herbstlaub zu sehen und was um mich her los ist. Aber der Handybildschirm ist auch in Ordnung, finde ich. Und sage mir keiner, früher sei alles besser gewesen. Ich erinnere mich an Bahnfahrten, bei denen man endlos lange Zeit mit fremden Menschen im Abteil verbrachte und sich anschwieg. Da war es gut, sich in ein Buch oder eine Zeitung vertiefen zu können.
Nebenbei bemerkt: Paulus schrieb Briefe, Luther wäre ohne Gutenbergs Druckpresse unbekannt geblieben. Dieselbe Zaubermaschine, auf der auch der unsägliche Hexenhammer gedruckt wurde. Medien waren schon immer Fluch und Segen. So auch das Smartphone und die Bildschirmmedien. Wir haben’s in der Hand. Wir können mit dem Smartphone Hass und Hetze verbreiten. Oder ein freundliches Chatgespräch führen und gute Geschichten weitergeben.
Ich finde es klasse, welche Möglichkeiten mir das Smartphone bietet. Es kommt halt wie so oft aufs richtige Maß an. Smartphone ist gut. Ich will aber auch nicht verlernen, immer wieder den Kopf hochzunehmen und die Menschen und die Situation wahrzunehmen. Und ein Gespräch mit den Menschen in meiner Nähe zu führen.