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Pfarrer Nicolai Opifanti vor einem blauen Hintergrund.
Nicolai Opifanti meint

Lass den Neid nicht dein Herz regieren

Ein Kind mit einem roten Pulli legt einer Person mit ausgestreckter Hand eine gelbe Blüte in die Hand. Kolumne
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In einer meiner letzten Predigten habe ich mit meiner Gemeinde über den Brüdermord des Kain an Abel nachgedacht, der in 1. Mose 4 geschildert wird. Was mir dabei neu aufgegangen ist: Es war nicht der Mangel, der Kain dazu veranlasst hat, seinen Bruder umzubringen. Beide hatten mehr als genug. Beide hatten so viel, dass sie sogar Gott ein Dankopfer darbringen konnten. Was Kain den Hass auf seinen Bruder ins Herz trieb, war der Neid darauf, dass Gott Abels Opfer angesehen hatte, nicht aber sein eigenes.

Natürlich kann man darüber vortrefflich theologisch diskutieren; das will ich dieses Mal aber nicht tun, sondern unseren Blick darauf wenden, wie gefährlich der Neid hier in dieser Geschichte dargestellt wird. Neid entsteht oft nicht durch eigenen Mangel, sondern dadurch, dass andere mehr haben. Ein beliebter Lösungsansatz bis heute ist daher, dass möglichst alle Menschen gleich viel haben sollten, damit Neid gar nicht erst entsteht.

Aber wäre damit der Neid wirklich besiegt? Ist es nicht vielmehr so, dass es zur Lebenswirklichkeit von uns Menschen gehört, dass wir unterschiedlich sind? Selbst wenn alle gleich viele materielle Güter besäßen, wäre der Neid nicht besiegt, sondern er würde sich nur auf andere Bereiche des Lebens verteilen.

Ein gutes Miteinander gelingt daher nicht, wenn man alles gleich auf alle verteilt, sondern wenn wir es schaffen, unseren Blick zu wenden: von dem, was der andere scheinbar mehr hat, auf das, was wir in unserem Leben in Fülle bekommen haben. Kain hatte mehr als genug – viele von uns auch.

Warum also sollte man sein Herz mit Neid auf das vergiften, was andere haben? Warum das Herz nicht zuerst mit Dankbarkeit füllen für das, was wir bekommen haben? Dann muss man immer noch über Gerechtigkeit diskutieren und streiten, aber dann tut man dies nicht mehr aus einem Blickwinkel des Hasses, sondern ausgehend von einer gemeinsamen Haltung der Dankbarkeit.

Das meint Nicolai Opifanti. Und was meinen Sie?

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