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Pfarrer im Ruhestand Ludwig Burgdörfer vor einem blauem Hintergrund.
Ludwig Burgdörfer meint

Missbrauch fängt schon im Kopf an

Das Bild zeigt eine am Boden hockende Person, die eine ausgestreckte Hand vor sich hält. Kolumne
Canva

Der Skandal rund um die unfassbaren Missbrauchsgeschichten innerhalb der Kirchen hat irreparable Schäden angerichtet. Kaum ein Vergehen oder Versäumnis hat wohl dem Image der Kirchen so nachhaltig geschadet. Dabei hätten wir es allemal besser wissen müssen. Weil schon Jesus selbst im Rahmen seiner Bergpredigt eine eindeutige Sicht auf das Verhalten unter den Menschen in Umlauf gebracht hat, dass es einem beim Nachdenken darüber regelrecht schwindlig werden kann.

Seine konsequent durchdachte Logik im Hinblick auf das, was sich Menschen antun können, ist unüberbietbar radikal und entlarvend zugleich. Er setzt nämlich schon die innere Bereitschaft mit dem Vollzug der Tat gleich.

Das hört sich dann so an: „Ihr wisst, dass unseren Vorfahren gesagt worden ist: Du sollst nicht morden! Und: Wer einen Mord begeht, der gehört vor Gericht! Ich sage euch aber: Schon wer auf seinen Bruder oder seine Schwester wütend ist, gehört vor Gericht. Wer zu seinem Bruder oder seiner Schwester ‚Dummkopf‘ sagt, gehört vor den jüdischen Rat.“

Und: „Ihr wisset, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen! Ich sage aber: Wer die Frau eines anderen begehrlich ansieht, hat mit ihr schon die Ehe gebrochen – in seinem Herzen hat er es getan!“ (ab Matthäus 5,21).

Damit ist nach Jesu Ansicht das, was uns durch den Kopf geht als Option für unser Handeln, schon gleich­zusetzen mit dem Vollzug des Angedachten. Missbrauch fängt so gesehen bereits im Kopf an und nimmt von dort seinen unseligen Lauf.

Das macht aus der Schuldfrage eine komplett neue Bestandsaufnahme. Damit kann sich so schnell niemand von uns ganz und gar freisprechen von jedwedem gegenseitigem Schaden und Verletzen. Umso sorgsamer und empathischer sollten alle Versuche der Aufarbeitung und Schuldeinsicht vonstattengehen. Und das alles unter dem unerlässlichen Bitten um Vergebung.

Das meint Ludwig Burgdörfer. Und was meinen Sie?

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