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Andreas Koch meint

Muttertag? Vatertag? Elterntag!

Mutter und Vater umarmen gemeinsam ein Baby. Kolumne
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Am Sonntag ist Muttertag. Für den folgenden Donnerstag steht Christi Himmelfahrt im Kalender. Der Vatertag gehört nicht dazu: Mit Bollerwagen und Bier hat er sich nur eingeschlichen.

Der Muttertag: Erfunden und am 12. Mai 1907 erstmals begangen wurde er von Ann Maria Reeves Jarvis, der Frau eines amerikanischen Pfarrers. Sie wollte mit diesem Tag an ihre verstorbene Mutter erinnern. Aus dem privaten Gedenktag wurde schon 1914 ein nationaler Feiertag zu Ehren aller Mütter. Er fand rasch auch in anderen Ländern Verbreitung. Von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbraucht, hat der Muttertag in Deutschland seine Unschuld verloren. Heutzutage präsentiert er sich als Feiertag, der vieles durch die rosa Brille sieht und an dem vor allem Floristen, Gastronomen und Konditoren ihre Freude haben.

Apropos Muttertag: Wann immer ich, und das nicht nur Anfang Mai, an meine Mutter denke, wird mir klar, wieviel ich ihr verdanke. Vor allem bestimmte Werte hat sie mir vermittelt, die ich auch jetzt noch zu leben versuche: Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit, Gerechtigkeitssinn. Und ich verdanke ihr eine geerdete Frömmigkeit. Zu ihr gehört das Tischgebet ebenso wie die gefalteten Hände am Abend vor dem Schlafengehen.

Wie gesagt: Am Sonntag ist Muttertag. Brauchen wir diesen Tag noch? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wenn wir ihn aber zu brauchen glauben, dann bitte im Doppelpack: nicht mehr einzeln als blumengeschmückten Mutter- und bierseligen Vatertag, sondern zusammen als ernsthaften Elterntag. Durch ihn könnte sich unsere Gesellschaft immer wieder neu auf den Stellenwert von Erziehung besinnen. Gleichzeitig könnte sie an die besondere Verantwortung gemahnen, die Mütter und Väter für ihre Kinder haben. Und es wäre möglich die Absage an ein überkommenes Rollenbild, das den Muttertag bis heute prägt. So haben Muttertag, Vatertag, nein, der Elterntag eine Zukunftschance. Wir sollten sie nutzen.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?

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