Ich finde, es wird zu viel gejammert und gemeckert. Über den Schienenersatzverkehr zum Beispiel. Ich bin viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Da gibt es Busse als Ersatzfahrzeuge, weil S- und Straßenbahnlinien repariert werden. Zugegeben, das ist manchmal lästig, es dauert länger und ist umständlicher. Gut, dass sie den Ersatzverkehr in die Sommerferien legen.
Aber das Jammern und Meckern der Mitfahrenden steckt an: Der Ersatzverkehr! Die vielen Baustellen in der Stadt! Das dauert alles so lange! Die Menschen sind unzufrieden. Wer unzufrieden ist, wird missmutig.
Vor kurzem habe ich ein Interview mit dem Sänger Thomas Quasthoff gelesen. Der Bariton hat in der ganzen Welt Menschen begeistert. Er ist durch eine Conterganschädigung schwerst körperbehindert. Trotzdem sagt er: „Wenn ich morgens aufwache, sage ich als erstes Danke. Ich finde, das sollte man per Gesetz allen Deutschen auftragen.“ Er erzählt, dass ihn wegen seiner Behinderung keine Schule aufnehmen wollte. Und wie er als Kind gemobbt wurde. Aber es gebe so viel, wofür er danken könne.
Mich hat das schwer beeindruckt. Ja, denke ich seither: Danke, dass überhaupt repariert und saniert wird. Endlich – es wurde ja auch Zeit! Wenn Menschen nicht nur hinnehmen würden und jammern, dass so vieles verkommt, sondern anpacken und selber etwas tun – vielleicht könnte dann vieles besser werden.
Danke sagen! Für den netten Jungen im Nachbarhaus, der mir meinen kleinen Rasen mäht. Und für den freundlichen Mann, der mir aufgeholfen hat, als ich auf der Straße gestürzt bin. Die Mitmenschen sind hilfsbereiter und freundlicher, als man denkt. Gerade auch die jungen.
Thomas Quasthoff sagt: „Ich bin nicht religiös. Ich sage Danke zu einem imaginären Wesen.“ Ich habe gelernt, Gott Danke zu sagen. Natürlich weiß ich, dass das Leben nicht nur gute Gaben hat. Unsere Erde ist nicht das Paradies. Aber ich hoffe, dass auch das Danke sagen ansteckend ist und prägt.