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Andreas Koch meint

Noch gehört der Krankheit nicht das letzte Wort

Das Bild zeigt die Handfläche einer älteren Person, die einen alte Uhr in der Hand hält. Kolumne
Canva

„Alles Gute für die Zeit, die Ihnen bis zu Ihrem Tod hoffentlich noch bleibt!“ Ungefähr mit diesen Worten hat sich vor einigen Tagen mein Gegenüber von mir verabschiedet, nachdem wir uns zuvor ausführlich über meine Parkinsonerkrankung und deren Folgen unterhalten hatten. Wundert es, dass ich ob dieses erstaunlich direkt formulierten Wunsches etwas irritiert gewesen bin?

Aber da war es nun mal wieder, das Thema Tod, angedockt an eine nicht heilbare und darum potenziell tödliche Krankheit, die ich habe. Ich greife das Thema hier und heute auf. Dabei fällt mir als Erstes mein Vater ein. Der hat, als die letzte Tante von ihm gestorben war, lapidar gesagt: „Jetzt sind wir als Nächste dran.“ So war’s dann auch – leider. Und wie ist’s bei mir mit meiner Krankheit?

An den Tod zu denken macht mir keine Angst. Was ich aber fürchte, ist, dass er zu früh kommen könnte. Schließlich habe ich noch viel vor. Wollte ich nicht schon lange ein Buch schreiben? Ist es mir nicht angelegen, alte Freundschaften aufzuwärmen? Müsste ich nicht ganz viele Menschen um Verzeihung bitten? Pläne über Pläne, To-do-Listen ohne Ende, seit gar nicht so wenigen Jahren im Ruhestand und doch noch nicht zur Ruhe gekommen.

Nachdenken ist das eine, in kleinen Schritten handeln das andere. So habe ich mich aus der aktiven Politik zurückgezogen. Und was die erste Märzwoche anbelangt, freue ich mich auf den traditionellen Winterurlaub mit der Familie. Das Wichtigste aber ist, den Kampf gegen Parkinson nicht aufzugeben: Noch gehört der Krankheit nicht das letzte Wort.

Übrigens: Ganz oft ertappe ich mich dabei, wie ich allein für mich Choräle singe. Zum Beispiel: „Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; solang ich leb auf dieser Erden, leb ich in steter Todsgefahr.“ (EG 530,2) So wird aus dem Wunsch oben hoffentlich noch lange Wirklichkeit: „Alles Gute für die Zeit, die Ihnen bis zu Ihrem Tod noch bleibt!“

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?

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