Wie meine ich richtig? Für sich selber hat der alte Römer Cato diese Frage so beantwortet: indem ich stets das Gleiche sage. Cato konkret: „Im Übrigen meine ich, dass Karthago zerstört werden muss.“ Mit diesem Satz endete jede seiner Reden vor dem Senat: „Ceterum censeo …“
Friedlicher und vor allem vielfältiger versuche ich an dieser Stelle alle paar Wochen, etwas Brauchbares zu meinen. Genauso wie die Kollegin und die Kollegen. Und wir sind dabei so meinungsstark wie möglich. Das trägt uns nicht nur Lob ein.
Aber warum eigentlich nicht? Aus welchem Grund tut man sich gerade in der Kirche so schwer mit einer ungeschützten Sprache? Schließlich will sogar Jesus selbst, dass wir Klartext reden: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein“ (Matthäus 5,37). Natürlich gilt das dieser Tage auch und vor allem im Blick auf Donald Trump. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Eine Kuschelrhetorik, wie von manchen praktiziert, ist völlig fehl am Platz.
Aber ich habe nicht nur Cato und die Bibel, sondern in der Regel auch Max Frisch mit im Kolumnisten-Werkzeugkasten. Der Schriftsteller sagt uns, dass wir die Wahrheit beziehungsweise die eigene Meinung dem andern nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen, sondern wie einen Mantel hinhalten sollen, damit er hineinschlüpfen kann.
Nun denn: Seit vielen Jahren schreibe ich Kolumnen für die unterschiedlichsten Medien. Manchmal brauche ich dabei den Geleitschutz von Vorgesetzten. Trotzdem habe ich bis heute den Spaß nicht verloren. Wichtiger als das Meinen ist ohnehin etwas anderes: das Fühlen. Oder um es mit Friedrich Schiller auszudrücken: „Das Herz und nicht die Meinung ehrt den Mann.“ Und die Frau natürlich auch.
Wie meine ich richtig? Sagen wir’s so: Ob immer nur ein- und dieselbe Meinung oder ganz verschiedene – wichtig ist, dass wir überhaupt etwas meinen. Denn – und das ist jetzt ein Satz von mir: „Ich meine, also bin ich.“