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Porträt von Christoph Schweizer
Christoph Schweizer meint

Tüftelei geht Hand in Hand

Das Bild zeigt vier verschiedene Motive. Links im Bild ist ein Spaghettieis zu sehen, in der Mitte oben ist die Sagrada Família zu sehen, unter der Kirche befindet sich eine Spätzlepresse und rechts daneben sind Jeanshosen zu sehen. Kolumne
Canva

Unrunde Jahreszahl, trotzdem schön: Vor 87 Jahren hat der Stuttgarter Schlossermeister Robert Kull die legendäre Spätzlepresse erfunden. 30 Jahre später ein schwäbisch-badischer Doppelpass: Mithilfe der schwäbischen Spätzlepresse erfand der 17-jährige Dario Fontanella in Mannheim den Klassiker: Spaghetti-Eis.

Das ist für die Volkswirtschaft vielleicht nicht ganz so relevant wie der andere Cannstatt-Mannheimer Doppelpass: die gleichzeitige Erfindung des Automobils 1886 durch den Schwaben Gottlieb Daimler und den Badener Carl Benz. Lecker ist das Eis allemal.

Erfindungen, bei denen Bausteine aus unterschiedlichen Weltregionen zusammenkommen: Wie wäre es mit Blue Jeans? Der jüdische Franke Levi Strauss gründet in San Francisco ein Handelshaus für Stoffe und entwickelt 1873 gemeinsam mit dem Schneider Jacob Davis robuste Nietenhosen. Und woher haben die Jeans ihr schönes Blau? Es stammt von der indischen Indigopflanze oder vom europäischen Färberwaid. Die Herstellung ist teuer. Günstiger wird sie, als die BASF, die Badische Anilin- und Sodafabrik mit Sitz im pfälzischen Ludwigshafen, sich der Sache annimmt. Dort wird nach jahrzehntelanger Forschung 1897 ein Verfahren gefunden, um das Indigopigment synthetisch herzustellen: „Indigo rein BASF“.

Die Firma Gartner aus dem bayrisch-schwäbischen Gundelfingen hat etwas ertüftelt, das nun den Hauptturm der Sagrada Família in Barcelona krönt: das begehbare, 17 Meter hohe Kreuz aus Edelstahl, Glas und Hochleistungsbeton. So gesehen bleibt der höchste Kirchturm der Welt in schwäbischer Tüftlerhand, auch wenn er nun in Spanien steht.

Was mich das ganze lehrt: Keine Erfindung entsteht im luftleeren Raum. Immer gibt es Voraussetzungen, andere Erfindungen. Die menschliche Tüftelei geht Hand in Hand. Es sind Kooperationen, die uns weiterbringen, keine Ego-Trips. Und jede Erfindung kann nur mit den Gaben arbeiten, die in Gottes Schöpfung angelegt sind, vom Indigo bis zum Edelstahl.

Das meint Christoph Schweizer. Und was meinen Sie?

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