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Andreas Koch meint

Und Mut will auch ich machen

Ein Mann hält seine linke Hand fest, diese zittert Kolumne
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Eigentlich müsste ich so anfangen: „Der Ball ist rund, das nächste Spiel ist das schwerste und es dauert wie alle Spiele 90 Minuten.“ Aber WM hin, Sepp Herberger her: Ich bin krank, und das nicht nur vorüber­gehend. Ein Freund sagt salopp: „Alt werden ist nichts für Feiglinge.“ Der Satz sitzt, aber er macht mir keine Angst. Außerdem ist hier vom Altwerden allgemein die Rede und nicht von Parkinson. Vielleicht ist da ja alles ganz anders.

Trotzdem nehme ich meine Krankheit nicht leicht. Wie denn auch: Wer Pflegegrad 3 hat, ist nicht gesund. Den hat Morbus Parkinson vielmehr schon arg im Griff: „schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“. Das spüre ich ­jeden Tag mehr.

Was tun? Drei Dinge nehme ich mir vor. Zum einen: helfen lassen. Weil nichts mehr so ist, wie es einmal war. Vieles geht langsamer, manches geht gar nicht mehr. Aber mit fremder Hilfe geht es dann doch noch ein bisschen. Die kommt übrigens oft von allein. Hat mich der Typ da mit seinen wummernden Kopfhörern nicht gerade noch genervt? Jetzt trägt er meinen Koffer zum Bahnhofsausgang.

Zum andern: Ich will viel lesen. Über Frank Elstner beispielsweise, der – „Wetten, dass …?“ – ebenfalls Parkinson hat. Oder von An­dreas Grosse Halbuer, einem Journa­listen. Sein Buch „Das Ding in meinem Kopf“ ist gerade erschienen. Biografien von Menschen mit Parkinson sind selten erbaulich. Aber bei 200 Seiten sind es fünf Seiten Ermutigung, und Mut will auch ich machen.

Und schließlich: Ich möchte jeden Tag einmal rüber zur Stadtkirche gehen und Gott darum bitten, mich nicht zu vergessen: „In deine Hände lege ich meine unruhigen Gedanken, meine wirren Gefühle, meinen müden Kopf, die Früchte meines Tuns, meine Sorgen, meinen schutzlosen Leib, meine verwundete Seele. In deine Hände lege ich mein Leben.“ (EG, S. 869)

Danach heißt es dann aber für mich WM: Der Ball ist rund, das nächste Spiel ist das schwerste und es dauert wie alle Spiele 90 Minuten.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?

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