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Andreas Koch meint

Vergesst mir die Bücher nicht!

Eine Frau mit Sonnenhut liest in einer Hängematte ein Buch. Kolumne
Canva

Sind Sie etwa schon beim Kofferpacken? Dann vergessen Sie ja Ihre Urlaubslektüre nicht! Es wäre zu schade, wenn Sie gerade jetzt, wo Sie in Muße ein Buch zur Hand nehmen könnten, keines hätten. Wobei ich sagen muss: Für meinen Sohn zum Beispiel wäre das keine Kata­strophe. Er hat’s nicht so mit Büchern. Ein früherer Kollege von mir auch nicht. Immerhin besitzt er jetzt ein Zweit- und ein Drittbuch.

Dabei ist das Buch an sich kein Auslaufmodell. Trotzdem muss der Literaturkritiker Denis Scheck feststellen: „Alarmierend ist, dass bei uns die Zahl der radikalen Nichtleser auf über 16 Millionen gestiegen ist, während das Häuflein der mehrmals in ­einer Woche zum Buch Greifenden auf rund 12,5 Millionen zusammenschmolz.“ Für Scheck ein Unding: „Ich bin ungern unter Menschen, die nicht lesen. Genauso ­ungern wie unter Menschen, die sich nicht waschen.“

Und damit ein Wort zur Bibel, dem „Buch der Bücher“! Mit ihr habe ich im Zusammenhang mit dem Thema „Urlaub“ auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Dabei wollte ich doch nur nett sein, beziehungsweise als junger Pfarrer Sympa­thiepunkte ergattern. „Eine Bibel braucht ihr nicht mitzu­nehmen“, hab ich damals Jugendlichen gepredigt. „Man darf auch mal von der Bibel Urlaub machen.“ Das Dumme war: Die Gruppe war CVJM-fromm pur.

„Das haben Sie doch sicher nicht so gemeint“, wurde ich nach dem Gottesdienst liebevoll ­getadelt. „Urlaub von der Bibel geht jedenfalls nicht.“ Seitdem hab ich meist eine kleine Heilige Schrift im Reisegepäck. In diesem Jahr kommen dazu „Das Narrenschiff“ von Christoph Hein, 751 Romanseiten über die Geschichte der DDR, und, weil ich ein Parallelleser bin, „Das Schicksalsjahr 1925“ von Wolfgang Niess. Fromm sind beide Bücher nicht. Aber es sind Bücher. Und für die schickte schon vor Jahrhun­derten der Pfarrer Johann Caspar Lavater diese Bitte gen Himmel: „Gott beschütze die, die er liebt, vor schlechter Lektüre!“ Jetzt aber heißt es erst einmal weiter Koffer packen.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?

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