Andreas Koch meint

Wer Demokrat sein will, muss wählen

Kolumne
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„Ein Hoch auf die Demokratie! Schade nur, dass man da immer mal wieder wählen muss!“ Aus der Erinnerung heraus schreibe ich diesen Satz Georges Clemenceau zu. Er war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Premierminister von Frankreich. Nur: Monsieur Clemenceau irrt. Eine Demokratie ohne Wahlen gibt es nicht. Wahlen sind das Fundament der Demokratie. Wer Demokrat sein will, muss wählen. 

Aber vielleicht war Premier Clemenceau ja nur deshalb kein Freund von Wahlen, weil er Wahlkämpfe nicht leiden konnte. Wie ich im Übrigen auch nicht. Und deshalb vermeide ich – kurzer Ausflug in die Kommunalpolitik –, samstags an vorderster Front in der Fußgängerzone zu stehen und mich von den immer gleichen Leuten abwatschen zu lassen. Zur „Belohnung“ für ihre Besserwisserei erhalten diese Leute dann auch noch einen Chip für ihren Einkaufswagen: „Den kann man immer gebrauchen.“ 

Was da überhaupt so alles über die Infostandtheke geht! Chips wie gesagt, dazu Nähzeug, Bleistifte, Kugelschreiber, Wundpflaster, Papiertaschentücher und die allfälligen Luftballons. Die Konkurrenz befüllt die ihren mit Gas. Wir haben unsere Gasflasche vergessen. 

Dabei ist es mir nach wie vor ein Rätsel, wie aus Einkaufschips oder Luftballons Stimmen für die Parteien und ihre Kandidaten werden. Nach Wahlprogrammen wird kaum gefragt. Und: Waren früher Textplakate angesagt, sind es heute Köpfe. Politik mit Köpfchen? Das wär ja schon mal was. 

Warum ich das alles schreibe? Natürlich um auf den Anfang zurückzukommen und darauf, dass wählen muss, wer Demokrat sein will. Die nächste Gelegenheit dazu ist in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 9. Juni bei der Europa- und der Kommunalwahl. Die Unterlagen kommen in diesen Tagen ins Haus. Oder wollen wir unsere Personalfragen wie anno dazumal die Jünger Jesu per Losentscheid klären? Ganz sicher nicht. Dann aber brauchen wir Wahlen und auch etwas Wahlkampf. Denn noch einmal: „Ein Hoch auf die Demokratie! Wer Demokrat sein will, muss wählen.“ 

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?

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