Lucie Panzer
Lucie Panzer meint

Wir sollten rechtzeitig ans Sterben denken

Seit ein paar Jahren schon habe ich eine Patientenverfügung und auch eine Vorsorgevollmacht für den Fall, dass ich nicht mehr selber für mich sorgen kann. „Aber das ist doch wirklich noch zu früh“, hat eine Freundin gesagt, „jetzt schon ans Sterben denken, das macht einen doch total fertig.“ Damals war ich wirklich noch nicht krank, auch nicht gebrechlich, noch nicht mal pensioniert. Aber immerhin war ich schon Oma und mein Enkel hat mich darauf gebracht. „Oma du bist alt. Du stirbst bald!“ hat er gesagt. Aus heiterem Himmel gewissermaßen. Auf dem Spielplatz kam er auf einmal angelaufen, schaute mich prüfend an und dann kam es: „Oma du bist alt. Du stirbst bald!“ Mein Sohn hat mich dann aufgeklärt. Aus dem Kindergarten hatte der Kleine das Thema Sterben mitgebracht. Menschen müssen sterben und sind dann nicht mehr da, haben sie dort gesagt. So wie das Meerschweinchen von Tim. Da hat er sich Sorgen gemacht um seine Eltern. „Stirbst du auch, Papa?“ hat er gefragt. Und der Papa hat geantwortet: „Nein, ich sterbe jetzt nicht. Alte Leute sterben.“ Für meinen Enkel war das offensichtlich beruhigend. So musste er doch keine Angst haben um Mama und Papa. Auf dem Spielplatz war ihm das wieder eingefallen.

Ich hatte noch das lange, qualvolle Sterben meiner Mutter vor Augen und fand: Der Enkel hat recht. Ich war grau geworden und älter und Oma. Da kommt der Tod näher. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden!“ (Ps 90,2) heißt es in einem Gebet in der Bibel. Und genau dasselbe empfiehlt Martin Luther in seiner Schrift „Von der Bereitung zum Sterben“. Man soll vom Sterben und vom Tod reden „wenn er noch fern ist“. Dann sei es Zeit, sich ohne Angst Gedanken zu machen: Was wird kommen? Wie wird es sein? Wie will ich sterben?

Es beruhigt mich, dass ich vorgesorgt und auch mit meinen Kindern gesprochen habe. Es ist wahr: die Restlebenszeit wird kürzer. „Oma, du bist alt. Du stirbst bald!“ hat mich daran erinnert. Jetzt will ich deshalb das Leben genießen. Mit den Enkeln auf dem Spielplatz, mit Freundinnen im Konzert, mit meiner Zeitung im Garten. Ich freue mich auf das, was noch kommt – und später kann Oma dann hoffentlich dankbar sterben.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?

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