In unserer Kirchengemeinde gibt es viele Menschen mit unterschiedlichen Berufen. Aber eine Gruppe ist stark unterrepräsentiert: die Unternehmerinnen und Unternehmer. Weder in unseren Gottesdiensten noch in unseren Leitungsgremien sind sie repräsentiert.
Nun könnte ich es mir als Pfarrer einfach machen und sagen, das liegt daran, dass diese Gruppe aufgrund ihrer enormen zeitlichen Gebundenheit weder Zeit noch Kraft hat, sich in einer Kirchengemeinde zu engagieren oder am gottesdienstlichen Leben teilzunehmen. Aber ich glaube, das ist zu einfach gedacht. Menschen partizipieren, wenn sie sich willkommen fühlen und wenn sie das Gefühl haben, als wichtiger Teil der Gemeinde angesehen zu werden, und genau hier fängt nach meiner Einschätzung das Problem an. Geben wir als Kirchen Unternehmerinnen und Unternehmern wirklich das Gefühl, willkommen zu sein? Schätzen wir ihre Arbeit und die Kraft und Zeit, die sie in ihre Unternehmen stecken? Sehen wir ihre menschlichen Nöte? Ihre Zerriebenheit zwischen ökonomischem Druck und Verantwortung für ihre Beschäftigten und deren Familien?
Oder kommen sie nur dann in unseren Gemeinden vor, wenn es mal wieder darum geht, die „Reichen“ in ihrer scheinbaren Verantwortungslosigkeit abzukanzeln? Zu oft sprechen wir über Unternehmer und nicht mit ihnen. Zu oft fallen wir dabei auf die Mär vom Golf spielenden, Mitarbeiter unterdrückenden und sozial ausbeuterischen Unternehmer herein. Gerade der Mittelstand, der bei uns noch eine große Rolle spielt, speist sich aus Quellen, die mit dieser Mär herzlich wenig, dagegen viel mit Verantwortung, sozialem Bewusstsein und Zusammenhalt zu tun haben. Werte, die anschlussfähig an unser Gemeindeleben sind. Nicht umsonst gibt es bei uns noch eine reiche Tradition an Unternehmerfamilien, die ihr Ethos aus den Quellen des Pietismus speisen. Diese Menschen, die ihr Unternehmen aus tiefer innerer Überzeugung und mit großer Verantwortung führen, dürfen wir nicht verlieren.