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Impuls

Beten stärkt

Impuls zum 3. Sonntag nach Epiphanias: Apostelgeschichte 10,21–35.

Apostelgeschichte 10,21-35

Als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, auch ich bin ein Mensch.

Porträt von Bernd Weißenborn
Foto: Pressebild, Ulrich Enderle
Dekan a. D. Bernd Weißenborn ist geschäfts­führender Pfarrer in Waldenbuch, Dekanat Böblingen.

Welten treffen aufeinander. Manchmal ist das gut so. Sich nur unter seinesgleichen bewegen, führt meist zu Einseitigkeiten. Kornelius trifft Petrus. Damit treffen auch Welten aufeinander. Kornelius der Römer, der ­Offizier, der Heide – ist ein Suchender. Leben nach Vorschrift, auf Befehl handeln. Das reicht ihm nicht. Irgendwann meldet sich die Sehnsucht nach mehr. Unter­schätzen wir diese Sehnsucht nicht. Sie ist gerade dort wach, wo wir es von außen betrachtet am wenigstens erwarten. Die Leute bleiben ansprechbar auf eine in ihnen wohnende Sehnsucht.

Anderen hilft Kornelius gerne. Aber irgendwie steht er außerhalb. Er spürt schmerzhaft die Grenze des Angenommenseins, des Geliebtseins. Kornelius trifft Petrus. Und es ist Gott, der im Hintergrund leise Fäden knüpft, und dieses Aufeinandertreffen von Welten will. Petrus ist ganz anders: Petrus, der Fischer, der zum Jünger Jesu wird. Wunder, Krise, Aufbruch. Alles ist dabei. Er sah Jesus am Kreuz sterben, hat den Auferstanden erlebt und wird zum Verkündiger des Evangeliums. Aber auf seine Art ist auch er einer mit Grenzen. Wie viel Weite und Freiheit sich mit der guten Nachricht verbinden, hat er noch nicht realisiert. Erst die Begegnung mit Kornelius ändert ihn – und Gottes Auftrag.

Kornelius und Petrus trennt viel. Eines aber eint sie: Sie beten. Das gehört zu ihnen wie das tägliche Brot. Beten, weil Glaube nicht ohne Gebet sein kann. Beten als Hören und in der Folge als Zuhören. Warum wird eigentlich in den ganzen Kirchen-Strukturdiskussionen nur eher verhalten über die Rolle des Gebets gesprochen? Diese Mitte. Eine evangelische Theologie des Gebets fehlt, die praktisch wird wie einst die Theologie der Hoffnung von Jürgen Moltmann. Die Neubesinnung auf den Atem, der alles beseelt, braucht es, damit wir von der Selbstbezogenheit und Nabelschau wegkommen, und die Kräfte ins Spiel bringen, die öffnen, stärken, befrieden.

Kornelius und Petrus. Beiden soll dieses Unfassbare klar werden. Gott hat die Welt für rein erklärt. Die Unreine, die gottlose Welt, ist doch auch die rein gemachte Welt: also schön, liebenswert, gut, geliebt. Ob die Menschen es wissen oder nicht. In das Gewirr unversöhnlich aufeinandertreffender Welten gilt ganz grundsätzlich, weihnachtlich-österlich vom Evangelium her hinein zu sprechen: rein gemacht. Es bleibt eine menschlich stärkende, eine seelsorgerliche stützende und eine gesellschaftlich helfende Grundbotschaft unseres Glaubens. Du und ich. Vor Gott steht niemand höher.

Mit dieser Geschichte von Kornelius und Petrus wird die „Heidenmission“ begründet. Das nachösterliche Christentum öffnet sich. Der Glaube überspringt Grenzen. Licht für die Heiden. Jetzt wird klar, welche Weite im Evangelium liegt.

Für die Kirche wird es vielfach enger. Mit neuer Wucht treffen für uns Welten aufeinander: religiös – säkular, Gott ja – Kirche nein, christlich – nichtchristlich, Traditionsabbrüche, Transformationsprozesse. Gesellschaftlich wird es ungemütlicher. Wer auf wen losgeht und wer mit wem redet oder eben nicht. Mit Mitte und Weite könnten wir wieder Boden unter die Füße bekommen und Menschen gewinnen. Die Mitte spüren und die Weite, egal was jemand ist, wie er oder sie lebt, fühlt, liebt, wählt, glaubt – erstmal gilt unverhandelbar von Gott: Wir sind alle nur Menschen. Niemand ist „unrein“.

Gebet

Herr, unser Gott, du hast uns rein gemacht. Deine Liebe gilt uns allen gleich. Dafür danken wir und bitten dich: Hilf, dass wir das für uns festhalten. Und hilf, dass wir es auch im Miteinander gelten lassen. Lehre uns beten, dass wir hören und zuhören. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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