Erntedank bringt unsere Kirchen zum Leuchten: Blumen, Früchte und Gemüse in allen Farben, dazu das Erntedankbrot auf dem Altar. Eine Augenweide. Und der Duft. Erntedank ist ein Fest für alle Sinne. Manchmal werden Kirchen dunkel und schummrig empfunden. An Erntedank strahlen sie hell wie der Tag. Solch eine Fülle. Was für eine Wonne. Da geht einem das Herz auf. Was für eine Gnade!
Auch in unserem heutigen Predigttext kann man vom Licht lesen und vom Herz, weiter dann von Heilung, Gerechtigkeit, einer nie versiegenden Quelle und einem bewässerten Garten. Doch der Hinweis auf die Früchte aus Feld und Garten fehlt. Die Verheißung von Licht, Heil und reicher Ernte bezieht sich auf den Menschen und sein Tun: „Dein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenröte, deine Heilung wird schnell voranschreiten, deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, du wirst sein wie ein bewässerter Garten.“ Wann denn? Dann, wenn sich dein Herz finden lässt von denen, die Hunger und Not leiden, die im Elend sind und ohne Obdach. Dann, wenn in deiner Mitte niemand unter die Räder kommt und über niemanden schlecht oder falsch geredet wird. Dann, wenn jeder Mensch seinen Teil dazu beiträgt, dass es fair zugeht in unserer Gesellschaft. Dann, wenn jeder Mensch das zum Leben hat, was nötig ist: Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung, Teilhabe, Respekt, Wertschätzung.
Was hat das mit Erntedank zu tun? Wenn wir bei Erntedank in erster Linie an die vielerlei Früchte aus Landwirtschaft und Gartenbau denken, dann ist das zu kurz gedacht. Wenn wir Erntedank weiterfassen und darüber hinaus an die Früchte des Lebens denken, dann passt es.
Die Frage, die unser Bibelabschnitt beantwortet, ist die Frage, auf was es im Leben ankommt. Und zwar dann, wenn wir unser Leben vor Gott betrachten. Wenn wir Menschen uns als Teil der Schöpfung Gottes verstehen. Wenn wir Gott in unserem Leben nahe sein möchten. Wenn wir Gott erfahren möchten.
Auf was kommt es dann an im Leben? Es kommt darauf an, sein Herz finden zu lassen von den Menschen und für die Menschen und für ihre Bedürfnisse, ein gutes Leben zu haben für Leib und Seele. Konkret bedeutet das: teilen, helfen und da sein für die Menschen, so wie es jeweils nötig ist.
Der Erntedankaltar in seiner Fülle zeigt uns, wie viel es auch in diesem Jahr zu ernten gab, und wie gut es uns geht. Dieser Reichtum des Lebens lässt uns dankbar werden. Unser Dank geht an Gott, den Schöpfer allen Lebens, und auch in besonderer Weise an die Menschen aus Landwirtschaft und Gartenbau für ihren Einsatz und ihre Mühe. So öffnet sich unser Herz für das Miteinander. Unser Herz kann sich finden lassen von den anderen, die uns brauchen. In einem Vers aus dem Gesangbuch wird es so ausgedrückt: Keiner kann allein Segen sich bewahren. „Weil du (Gott) reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn“ (EG 170,2). Auf diese Früchte des Lebens kommt es an.