„All eure Sorge werft auf ihn.“ Sich nicht sorgen um Nahrung und Kleidung, weil der himmlische Vater für uns sorgen wird, sagt schon Jesus in der Bergpredigt. Doch – bleiben wir Realisten. Es gibt vieles, manchmal zu vieles, um das wir uns Sorgen machen. Zu den bekannten gesellschaftlichen Sorgen wie Klimawandel und die gefährdete Sicherheitslage in der Welt gesellen sich die Sorgen um die eigene Existenz, Gesundheit, bezahlbarer Wohnraum, ausreichendes Einkommen. Wie mit diesen Sorgen richtig umgehen, ist die Frage. Die Antwort: Das Gegenüber der Sorge ist der Glaube an Gottes Güte. Der Glaube rechnet fest damit, in allen Ungewissheiten nicht alleine zu sein. In aller Sorge wird Gott „aufrichten, stärken, kräftigen, gründen!“ Das darf ich glauben, darauf darf ich vertrauen. Aus solchem Glauben kann ich beten, wie schon Eduard Mörike betete: „Herr, dir in die Hände, sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.”
Aus solchem Gebet wächst dann eine Haltung, die der 1. Petrusbrief als „demütig“ bezeichnet: „Bekleidet euch mit Demut; den Demütigen gibt er Gnade.“ Immer wieder lese ich, Demut sei ein altmodisches Wort. In einer Welt „brüllender Löwen“, der Trumps und Putins, in einer Welt nahezu unlösbar scheinender Probleme sage ich: Mehr Demut bitte! Die eigene Begrenztheit anerkennen, bescheidener werden, in Ehrfurcht vor dem Leben und vor Gott leben, sich der eigenen Kleinheit im Angesicht der Welt und Gottes bewusst sein – das brauchen wir dringender denn je. Demütig sein macht übrigens auch gelassen und ist gesund, wie Dietrich Bonhoeffer sagte: „Nicht die ungelösten Rätsel der Vergangenheit lösen und in quälende Grübelei fallen sollen wir, sondern auch das Unbegreifliche stehen lassen und friedlich in Gottes Hand zurückgeben. Das geschieht durch Demut.“
Aus dem Glauben leben, dass ich meine Sorge auf Gott werfen darf, mich mit Demut bekleiden – das ist das eine. Aber die Welt ist nicht idealistisch zu sehen. Damals nicht und heute nicht. Von Anfang an schwingt der Widersacher, die Bosheit, der brüllende Löwe, das Menschenverachtende, der Egoismus, der Machtwille oder wie auch immer man es nennen will, der Teufel, mit. Und wir Christen sind wahrlich nicht davor gefeit, solchem menschenverachtenden Irrtum auf den Leim zu gehen. Deshalb mahnt der 1. Petrusbrief: „Seid nüchtern, wacht, widersteht im Glauben.“ Christsein ist anspruchsvoll. Aus Gottes Gnade bekommen wir die Kraft, eben nicht alles willenlos geschehen zu lassen. Wir nehmen nicht alles hin, wir schauen nicht nur zu. Wir machen uns Gedanken und tun den Mund auf für andere, wir diskutieren, wir fragen, wir mischen uns ein, wir packen an. Noch einmal Bonhoeffer: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.“
Der 1. Petrusbrief beschreibt christliche Existenz zwischen Demut und Widerstand. Das tragende Band, die Mitte, ist Gott selbst: „Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch.“ Aus diesem Vertrauen auf den sorgenden Gott leben wir.