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Impuls

Du bist Teil des Ganzen

Impuls zum 14. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 19,1-10.

Lukas 19,1-10

Da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Zachäus sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.

Pfarrer Johannes Eißler
Foto: Gottfried Stoppel
Johannes Eisler ist geschäftsführender Pfarrer in Eningen unter Achalm, Dekanat Reutlingen.

Wer kennt das nicht – dieses Gefühl, nicht richtig dazu­zugehören? Manche erzählen, dass sie schon während der Schulzeit entdeckt haben, anders zu sein als die anderen. Alle reden über Fußball, dich aber langweilt Sport zu Tode. Alle reden immer über Jungs und Mädchen und können nicht nachvollziehen, dass du dich mehr für den Sternenhimmel und Astronomie begeisterst. Du findest die meisten so oberflächlich, leidest aber auch unter deiner sensiblen Art. Manchmal magst du dich selber nicht, weil du einfach anders tickst.

Von Zachäus sprachen alle nur als von „dem Knirps“. „Der Knirps“ aber hatte sich geschworen, sich nicht unter­kriegen zu lassen. Er war supergut in Mathe und setzte sich auch in den anderen Fächern auf den Hosen­boden. Mit einem glänzenden Abschluss wollte er ­Karriere machen und es den anderen zeigen. Sein Ziel war es, mehr Geld zu machen als alle zusammen. Und er schaffte es. Weil seine Methoden nicht immer sauber waren, blieb er trotzdem der Außenseiter.

Jesus ruft ihn bei seinem Namen: Zachäus – Gerechter. War er das, ein Gerechter? Nein. Auf unrechte Art war er zu Reichtum gekommen. Das Geld hatte ihn gefressen. Aber trotzdem ruft ihn Jesus bei seinem Namen. Jesus setzt sich mit ihm an den Tisch. Ich nehme an, die Jünger waren auch dabei. Und Zachäus mittendrin. Mittendrin. Nicht mehr der Außenseiter. Mit jedem ­Bissen, den sie teilen, mit jedem Glas, auf das sie gemeinsam anstoßen, fühlt sich Zachäus mehr als Teil einer Gemeinschaft, als dazugehörig.

Fulbert Steffensky sagte einmal: „Leicht ist es, Wasser in Wein zu verwandeln. Leicht ist es, den Sturm zum Schweigen zu bringen. Leicht ist es, Brot zu vermehren, dass es für alle reicht. Schwer ist es, ein Herz aus Stein in Fleisch zu verwandeln.“ Aber wer weiß, vielleicht wirkte Zachäus nur nach außen hart. Vielleicht war er sensibler als alle dachten. Vielleicht kam sein hartes Auftreten nur daher, weil er einen Schutzzaun brauchte, um sein Anderssein auszuhalten. Nach dem Essen mit Jesus hat Zachäus seinen Schutzzaun eingerissen. Sein Geld lernte laufen.

Und dann kommt dieser wunderbare Satz, der wie die Abendsonne alles in ein goldenes Licht taucht. Jesus sagt zu ihm: „Auch du bist ein Sohn Abrahams.“ „Du bist kein elender Halsabschneider. Du bist kein kalter Immobilienhai. Du bist nicht der Abschaum der Gesellschaft, als den dich die anderen sehen – auch du bist ein Sohn Abrahams. Du gehörst dazu. Du bist Teil des Ganzen. Ohne dich würde was fehlen. Wir brauchen dich in unserer Gemeinschaft!“ Wenn ich einmal das Gefühl haben sollte, rauszufallen aus der Mehrheits­gesellschaft, irgendwie den Anschluss zu verlieren, dann möchte ich mich an dieses Wort von Jesus halten: „Auch du bist eine Tochter Abrahams. Auch du bist ein Sohn Abrahams. Auch du gehörst zur Familie der Kinder Gottes! Du gehörst dazu!“

Gebet

Jesus, du Bruder, du Rückenstärker, wir bitten dich für alle, die unsicher sind, die den Kontakt zu sich selber verloren haben, deren Psyche aus dem Gleichgewicht geraten ist: Halte sie, halte uns fest. Gib nicht preis das Werk deiner Hände. Stelle unsere Füße auf weiten Raum. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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