Wer kennt das nicht – dieses Gefühl, nicht richtig dazuzugehören? Manche erzählen, dass sie schon während der Schulzeit entdeckt haben, anders zu sein als die anderen. Alle reden über Fußball, dich aber langweilt Sport zu Tode. Alle reden immer über Jungs und Mädchen und können nicht nachvollziehen, dass du dich mehr für den Sternenhimmel und Astronomie begeisterst. Du findest die meisten so oberflächlich, leidest aber auch unter deiner sensiblen Art. Manchmal magst du dich selber nicht, weil du einfach anders tickst.
Von Zachäus sprachen alle nur als von „dem Knirps“. „Der Knirps“ aber hatte sich geschworen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Er war supergut in Mathe und setzte sich auch in den anderen Fächern auf den Hosenboden. Mit einem glänzenden Abschluss wollte er Karriere machen und es den anderen zeigen. Sein Ziel war es, mehr Geld zu machen als alle zusammen. Und er schaffte es. Weil seine Methoden nicht immer sauber waren, blieb er trotzdem der Außenseiter.
Jesus ruft ihn bei seinem Namen: Zachäus – Gerechter. War er das, ein Gerechter? Nein. Auf unrechte Art war er zu Reichtum gekommen. Das Geld hatte ihn gefressen. Aber trotzdem ruft ihn Jesus bei seinem Namen. Jesus setzt sich mit ihm an den Tisch. Ich nehme an, die Jünger waren auch dabei. Und Zachäus mittendrin. Mittendrin. Nicht mehr der Außenseiter. Mit jedem Bissen, den sie teilen, mit jedem Glas, auf das sie gemeinsam anstoßen, fühlt sich Zachäus mehr als Teil einer Gemeinschaft, als dazugehörig.
Fulbert Steffensky sagte einmal: „Leicht ist es, Wasser in Wein zu verwandeln. Leicht ist es, den Sturm zum Schweigen zu bringen. Leicht ist es, Brot zu vermehren, dass es für alle reicht. Schwer ist es, ein Herz aus Stein in Fleisch zu verwandeln.“ Aber wer weiß, vielleicht wirkte Zachäus nur nach außen hart. Vielleicht war er sensibler als alle dachten. Vielleicht kam sein hartes Auftreten nur daher, weil er einen Schutzzaun brauchte, um sein Anderssein auszuhalten. Nach dem Essen mit Jesus hat Zachäus seinen Schutzzaun eingerissen. Sein Geld lernte laufen.
Und dann kommt dieser wunderbare Satz, der wie die Abendsonne alles in ein goldenes Licht taucht. Jesus sagt zu ihm: „Auch du bist ein Sohn Abrahams.“ „Du bist kein elender Halsabschneider. Du bist kein kalter Immobilienhai. Du bist nicht der Abschaum der Gesellschaft, als den dich die anderen sehen – auch du bist ein Sohn Abrahams. Du gehörst dazu. Du bist Teil des Ganzen. Ohne dich würde was fehlen. Wir brauchen dich in unserer Gemeinschaft!“ Wenn ich einmal das Gefühl haben sollte, rauszufallen aus der Mehrheitsgesellschaft, irgendwie den Anschluss zu verlieren, dann möchte ich mich an dieses Wort von Jesus halten: „Auch du bist eine Tochter Abrahams. Auch du bist ein Sohn Abrahams. Auch du gehörst zur Familie der Kinder Gottes! Du gehörst dazu!“