Vor gut 70 Jahren, im Februar 1956, wurde der Stuttgarter Fernsehturm eröffnet. Das Werk des Stuttgarter Ingenieurbüros um Fritz Leonhardt setzte Maßstäbe, ein Wahrzeichen Stuttgarts und der internationalen Baukunst. Zumindest unter uns Menschen ist der Fernsehturm ein Werk, das bleibt. Das Erstaunlichste daran ist sein Fundament. Es hat eine Kernweite von 27 Metern. Der Turm würde einen Sturm standhalten, der viermal so stark bläst als jemals im Land beobachtet. Dieses Fundament liegt unter der Erde. Es ist nicht zu sehen. Keine massive Basis stört die Leichtigkeit des Bauwerks. Und doch ist kein anderer Grund gelegt als dieses Fundament.
Wohl dem, der so etwas wie den Fernsehturm als Lebenswerk hinterlassen kann. Bei den meisten Menschen fällt bescheidener aus, was sie in ihrem Leben ins Werk setzen. Und trotzdem hat es große Bedeutung. Wie gerne erzählen Seniorinnen und Senioren etwa bei meinen Geburtstagsbesuchen von ihrem „Lebenswerk“: Mal sind es berufliche Erfolge, verbunden mit viel Anerkennung für das Geleistete. Dann gibt es zu berichten von Beförderungen und großer Verantwortung. Mal höre ich Freude an den Beziehungen zu Freundinnen und Freunden, zu Kindern und Enkeln. Durchaus mit Stolz erzählt man mir vom Ergehen der kommenden Generationen. Dann gibt es Bilder zu sehen und die eingegangenen Geburtstagsgrüße. Bisweilen höre ich auch von einem sozialen Lebenswerk: persönliche Treue zu einem Menschen, der in besonderem Maße und womöglich über einen langen Zeitraum der Hilfe bedarf oder bedurfte.
Wie auch immer das Geleistete aussieht: Selbst den Menschen, die auf den ersten Blick keine Frömmigkeit erkennen lassen, kann bei solchen Erzählungen vom Lebenswerk ein „Gott-sei-Dank“ zwischen ihre Sätze geraten. Wie ein kleines Bekenntnis zum Fundament, das zwar nicht zu sehen ist und doch alles trägt: „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
Wie gut tut es, sich immer wieder dieses Fundaments, dieses Lebensgrundes zu vergewissern. Viele Menschen setzen sich gerne ein und arbeiten sorgfältig an dem, was man vielleicht ein „Lebenswerk“ nennen könnte. Doch neigen wir dazu, die Gewissheit unseres Lebens aus dem zu ziehen, was wir selbst zustande bringen. Wie tief reicht diese Gewissheit, wenn wir unzufrieden sind mit unserem Tun und Werkeln? Wenn wir zu nicht mehr in der Lage sind, als uns irgendwie durchzuwursteln?
Wenn unser Leben auf Jesus Christus gründet, dann tragen wir in der Tiefe unserer Seele diese Gewissheit: Wie auch immer unser Werk gelingt – es bleibt umfangen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist.