Eine besondere Begegnung

Impuls zu Epiphanias, 6. Januar: 1. Könige 10,1-13.

1. Könige 10,1-13 (in Auszügen) 

Und als die Königin von Saba die Kunde von Salomo vernahm, kam sie, um Salomo mit Rätselfragen zu prüfen. Und sie kam nach Jerusalem mit sehr großem Gefolge, mit Kamelen, die Spezerei trugen und viel Gold und Edelsteine.

privat
Sabine Bullinger ist Landes­bauernpfarrerin der Württembergischen ­Landeskirche in Hohebuch.

Da stehen sie wieder an der Haustür, die Sternsinger, zu viert, drei Könige und das Kind, das den Stern trägt. Ihre Augen schauen mich erwartungsvoll an. Sie fangen an zu singen, nicht immer in der richtigen Tonlage, aber von Herzen. Und klar, es sind auch Königinnen unter den Sternsingern. Man muss heutzutage froh sein, genügend Kinder zu finden, die mitmachen und Freude daran haben, Nachmittage lang von Haus zu Haus zu ziehen.

Im Predigttext zum Dreikönigsfest taucht diesmal auch eine Königin auf – die Königin von Saba. Vornehm, reich, gebildet. Mit großer Entourage und einer gehörigen Portion Neugier im Gepäck hat sie sich auf den Weg nach Jerusalem gemacht, um König Salomo zu treffen. Die Kunde von seiner Weisheit und seinen Taten war bis ins ferne Saba vorgedrungen. Bei einer persönlichen Begegnung will sie ihm Fragen stellen, ihn mit Rätseln prüfen. Die zwei müssen gut miteinander ins Gespräch gekommen sein. Alles, was ihr auf dem Herzen liegt, kann sie fragen. Auf alles weiß König Salomo eine Antwort. Sodass die Königin am Ende feststellen muss, dass Salomos Weisheit und Reichtum alles übertreffen, was sie je von ihm gehört hat. Und sie, die Fremde, sieht hinter Salomos Gaben das Wirken seines Gottes. Sie, die mächtige Frau aus dem fernen Saba, lobt den Gott -Salomos: „Gepriesen sei der Herr, dein Gott! Er hat Gefallen an dir gefunden und dich auf den Thron Israels gesetzt. Denn der Herr liebt Israel für alle Zeit. Deshalb hat er dich zum König gemacht, damit du für Recht und Gerechtigkeit sorgst.“

Mit all seiner Weisheit soll sich Salomo für sein Volk einsetzen. Wo sich Recht und Gerechtigkeit durch-setzen, da wächst Frieden. Salomo, der Friedensfürst. Sein Name weist darauf hin. Schlomo, hebräisch für Salomo, und Schalom, Frieden, gehören zusammen.

Wird die Königin von Saba vom Wunsch nach Frieden nach Jerusalem geführt? Folgt sie demselben Stern, dem Jahrhunderte später die Weisen aus dem Morgenland folgen? Sucht sie – wie diese – den neuen Herrscher, der mit Weisheit und Gerechtigkeit dem Frieden Bahn verschafft? Kommt sie – wie diese – mit wahrhaft königlichen Geschenken und geht wieder zurück in ihre Heimat, beschenkt vom Gott Israels?

An Epiphanias öffnet sich Weihnachten zur Welt hin. Hin zur Ökumene und hin zu anderen Religionen. Epiphanias lädt in besonderer Weise zum Dialog ein. Das wird in der Geschichte der Königin von Saba deutlich. Sie ist Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen bekannt. Ideal, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Um sich auszutauschen über Traditionen und Bräuche, über Grundsätze und Werte.

In meiner Fantasie sehe ich die Menschen aus nah und fern, von gestern und heute gemeinsam im Stall von Bethlehem. Alle sind sie da mit dem, was sie bewegt, mit ihren Sorgen und Ängsten, aber auch mit ihren Visionen und ihrem Engagement für die Zukunft. Sie stehen unter dem Stern. Sein Licht hat sie zusammengeführt. Er erinnert sie an Gottes Reich des Friedens, das bereits begonnen hat. Er gibt ihnen Hoffnung. Er bestärkt sie darin, das Lied des Friedens anzustimmen – vielstimmig, nicht immer in der richtigen Tonlage, aber von Herzen. Er macht ihnen Mut, das Licht mitzunehmen, hinein in den Alltag für ein Leben in Recht und Gerechtigkeit.

Gebet

Wie die Königin von Saba: Hören und sich auf den Weg machen. Fragen, diskutieren, prüfen. Suchen, sehen, staunen. Schenken und beschenkt werden. Wie die Königin von Saba den Menschen suchen und Gott entdecken. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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