Jakob – ein Mensch unterwegs aus dem Ungeordneten ins Ungewisse. Die Jahre, die hinter ihm liegen, sind nicht ganz in Ordnung. Ein ungelöster Familienkonflikt verfolgt ihn. Und für die Jahre, die vor ihm liegen, kennt sein Herz noch keinen Rat. So legt er sich nieder auf dem Weg in die ungewisse Zukunft, als die Sonne untergegangen ist. Erschöpft schläft Jakob unter dem weiten Himmel ein und träumt. Drei sich überblendende Bilder nimmt sein inneres Auge wahr.
Jakob sieht eine Leiter, eigentlich eine aufgeschüttete Rampe, von der Erde aus mit der Spitze bis zum Himmel reichend, so, dass Himmel und Erde sich berühren. Träume wie dieser werden zum Einfallstor des Göttlichen ins irdische Leben.
Jakob sieht, wie die Engel Gottes daran auf und niedersteigen. Ja: Von der Erde steigen sie hinauf und dann wieder herunter. Also waren die Engel, von Jakob noch unerkannt, schon die ganze Zeit mit ihm auf seinem Weg. Und er sieht Gott, den Herrn, oben auf der Treppe stehen. Er hört, wie Gott zu ihm redet.
Mir fällt wohltuend auf, dass Gott den Jakob nicht gleich auf das Ungeordnete anspricht. Sondern dass er ihn zuerst stärkt für den Weg ins Ungewisse: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“ Indem Gott den Weg in die ungewisse Zukunft frei macht, kann Jakob sich auch dem Ungeordneten, das hinter ihm liegt, stellen und gestärkt weiterziehen.
In dieser bedingungslosen Zusage Gottes steckt eine große Kraft für unser Unterwegssein ins Ungewisse. Wer in eine neue Aufgabe gestellt wird, kann für diesen Aufbruch ins Neuland Gottes Zuspruch an Jakob für sich persönlich hören: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“
Wer sich voll innerer Unruhe fragt: „Jetzt habe ich alles gewissenhaft abgewogen, aber ist die getroffene Entscheidung wirklich die richtige?“, höre sehr genau Gottes Zuspruch. Der ist nicht auf eine bestimmte Richtung festgelegt, sondern gilt selbst für Fehlwege und Umwege: „Ich bin mit dir, wo du hinziehst.“
Der Gott, den Jakob oben auf der Himmelstreppe stehen sah, begegnet uns in der Gestalt Jesu Christi noch einmal anders. In Jesus begegnet uns der große Gott als der, der die Himmelstreppe hinabgestiegen und ganz auf dieser Erde angekommen ist. Der Menschensohn Jesus ist der „Ort“ auf Erden, an dem Himmel und Erde sich berühren und Gott gegenwärtig ist. In Christus begegnet uns Gott, der uns zum Aufbruch auffordert und sich dazu verpflichtet mitzugehen. „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“ Gott gibt Kraft, auch an Hindernissen und Umwegen zu wachsen und zu reifen. Und er wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.