Das kenne ich gut. Dieses Bedürfnis, sich zurückzuziehen. Die Jünger haben sich am Abend des Ostersonntags ängstlich und orientierungslos hinter verschlossenen Türen versteckt. Draußen droht nur Ungemach. Das kenne ich gut. An manchen Tagen ist mir sogar die Tagesschau zu viel. So viel Krieg und Gewalt, so viel Streit, Feindseligkeit und Irrsinn. Es ist verlockend, das alles abzuschalten, sich zu Hause einzuigeln. Ich für mich, ein nettes Buch oder eine schöne Tier-Doku im Fernsehen und alles ist gut.
Wahrscheinlich geht es vielen so. Man hört und liest ja viel von Zukunftsängsten. Ich spüre viel Müdigkeit und Resignation um mich herum. Ständig neue Krisen. Das Gefühl, dass sich das Rad immer schneller dreht und wir trotzdem kaum vom Fleck kommen.
Auch in unseren Gemeinden spüren wir kalten Wind. Die Austrittszahlen, die Finanzen, die Gebäude, all die notwendigen Veränderungen. Da liegt es doch auch nahe, sich als Gemeinde zurückzuziehen, die Türen zu verschließen, einfach nicht mehr nach „draußen“ zu gehen. Wir für uns.
„Friede sei mit euch!“ Jesus überwindet Angst und Resignation, überwindet verschlossene Türen und verschlossene Herzen. Er sagt nicht: „Habt keine Angst!“ Er gibt Frieden. Einen Frieden, der nicht von den äußeren Umständen abhängt. Jesus spricht mir diesen Frieden zu, allen Spannungen, Konflikten und der allgegenwärtigen Reizüberflutung zum Trotz.
Das tut mir gut. Das schafft eine neue Wirklichkeit in mir. Aus diesem zugesprochenen Frieden heraus fühle ich anders. Ich werde ruhiger. Ich kann besser zuhören. Ich kann anders auf die Dinge und auf meine Mitmenschen schauen. Ich muss nicht immer alles zwanghaft bewerten, immer gleich eine Meinung haben. Und kann auch anders sprechen, komme heraus aus dem Modus ständiger Aufregungen und Empörung.
Mit diesem Frieden, mit dieser Gabe sendet mich Jesus hinaus in die Welt, ins Leben: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ In diesem Geist, mit dieser Haltung, mit offenen Herzen Menschen zusammenzuführen, das Miteinander zu leben und Versöhnung zu eröffnen.
Mit diesem Frieden, mit dieser Gabe sendet uns Jesus hinaus in die Welt, ins Leben: Dass wir als Gemeinden die Themen wahrnehmen, die „auf der Straße liegen“. Dass wir unsere Kirchentüren öffnen, Begegnungsräume schaffen, unser Miteinander im Sozialraum gestalten. Dass wir Vereinzelung und Einsamkeit die Stirn bieten.
Ich bin nicht naiv. Ich sehe auch die Wundmale Jesu in den Händen und in der Seite. Es ist Jesus der Gekreuzigte, der hier mit Vollmacht spricht und Frieden schenkt.
Draußen, da werde ich auch dem Dunklen begegnen, dem Bösen um mich herum. Und drinnen den Dämonen in mir. Aber ich glaube und weiß, dass Jesus dieses Dunkel überwunden hat. Und ich folge der Verheißung, dass er das Böse und die Dämonen mit der Kraft seines Geistes überwinden kann. Dazu sind wir gesandt. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“