So endet das Buch Micha in der Bibel. Letzte Worte haben Gewicht. Es geht um Freiwerden von Sünde durch Gott und darum, dass unsere Schuld keine Rolle mehr spielen wird. Unsere Schuld, geht es denn um uns? Ja, wenn wir uns durch Jesus im Zusammenhang der biblischen Gnadengeschichte Gottes sehen. „Die geblieben sind als Rest seines Erbteils“ sind im Blick. Ich hoffe, dass wir weiterhin dazugehören. Ich hoffe auch, dass die anderen weiterhin dazugehören, auch die, mit denen ich in manchen Punkten nicht übereinstimme. Denn Gottes Gnade muss ja größer sein als mein begrenztes Denken.
Dass mein Denken begrenzt ist, erkenne ich immer wieder. Immer, wenn ich mir Sorgen gemacht habe, und sie sich schließlich aufgelöst haben. Immer dann merke ich meine sorgenvollen Grenzen und Gottes größere Möglichkeiten. Immer dann erkenne ich meine Sünde, die darin besteht, mir zu viele Sorgen zu machen und Gott zu wenig zuzutrauen. Leider geschieht mir dies oft. Immer, wenn ich in eine Begegnung gehe, der ich einen guten Ausgang wünsche, und von der ich realistisch weiß, dass ich sie nicht im Griff habe, immer dann sorge ich mich sehr. Sünde pur als Absonderung von Gottes guten Möglichkeiten.
Auch der Prophet Micha konnte nicht wissen, wie seine Botschaft letztlich aufgenommen werden würde. Er hat bleibend Großes zu sagen für soziale Gerechtigkeit. Er sieht große Missstände und weiß, wie Gott es ganz anders will. Micha entscheidet sich dazu, mit dem großen Staunen über Gottes kommende Rettung zu schließen.
Es wird angenommen, dass das Buch Micha nicht von Anfang an schon in seiner jetzigen Gestalt bestand, sondern dass der Text mit der Zeit gewachsen ist. Wahrscheinlich waren über die Zeiten der Entstehung auch verschiedene Stimmen beteiligt. Und schließlich einigte man sich auf diese Endgestalt mit diesem Abschluss, das große Staunen über Gottes Gnade.
Ich wünsche mir auch weiterzuwachsen im Vertrauen, dass Gott es gut macht über meine Sorgen hinaus. Beschämt bin ich über meine Sünde. Ich verstehe den Zusammenhang von Sünde und Schuld. Wenn ich besorgt bin, dann mache ich nieder und halte klein, anstatt vertrauensvoll wachsen zu lassen. Soziale Ungerechtigkeit, die Gott nicht will, ist immer wieder meine Schuld, und auch unsere gemeinsame Schuld als Institution Kirche.
Michas letzte Worte tun sehr gut. Ich brauche sie und wir brauchen sie, um unser Misstrauen klar zu sehen gegen Gottes heilsame Kraft, die wir doch von Jesus kennen und die wir im Heiligen Geist ja erwarten wollen. Es ist leider unser Misstrauen gegen Gott, unsere Sünde, woraus leider Schuld erwächst, welche Gott sei Dank aber nicht bleiben darf, denn Gott belehrt uns eines Besseren. Micha hat dafür zeitlos starke staunende Worte gefunden, denen ich wünsche, dass sie in unseren Tagen große Kraft entfalten.