„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.“ So beginnt die Pfingsterzählung aus der Apostelgeschichte. Alle beieinander, an einem Ort. Das war die Voraussetzung für dieses Ereignis in Jerusalem. Ohne diese Gemeinschaft hätte sich das Pfingstwunder nicht ereignet. Unterschiedlichste Menschen sind beieinander. Und plötzlich finden die zusammen, die zuvor einander fremd gewesen waren, die aus unterschiedlichsten Ländern mit unterschiedlichsten Sprachen kamen, und verstehen sich.
Alle beieinander an einem Ort. Was hat die Menschen zusammengeführt? Ihre Sehnsucht. Ihre Hoffnung, dass zwischen ihnen der Geist Gottes ist. Gottes Geist, der verbindet, der Streit überwindet und Gemeinschaft schenkt. So bewegt Gottes Geist die Menschen und baut Gemeinde.
Gottes Geist ist nicht mit dem Weltgeist zu verwechseln. Dem begegnen die Christinnen und Christen auf den Marktplätzen und Straßen. Der Geist der Welt produziert Eitelkeiten, Neid und Wut. Der Geist der Welt schottet ab: Gut ist, was mir nützt. Die Folgen dieses Ungeistes haben wir täglich vor Augen: Unrecht, Hass, Gewalt und Krieg.
Gottes Geist hingegen verbindet Menschen. „Findet euch nicht mit dem Geist der Welt ab!“, ruft er den Gläubigen zu. So bringt er frischen Wind in die Welt. Voller Hoffnung auf Gottes Reich und seine Gerechtigkeit.
Und auch das lehrt uns das Pfingstwunder: Gottes Geist können und müssen wir uns nicht verdienen. Er ist Geschenk. Wir haben Gottes Geist empfangen, den Geist Christi. Wir sind Empfangende. Immer, das ganze Leben hindurch. Das Leben ist Geschenk. Deshalb ist im „Wir“, das der Geist Christi schafft, kein Raum für Überheblichkeit. Denn im „Wir“ des Geistes geht es nicht darum, wie leistungsfähig ich bin, und was ich vollbringe. Das „Wir“ lebt aus der Dankbarkeit für Gottes Geschenk.
Anders als „natürliche“ Dinge lässt sich Gottes Geist weder messen, noch berechnen. Wohl wirkt er in jedem Menschen je besonders. Gottes Geist schenkt unterschiedliche Gaben und entfaltet sich auf ganz verschiedene Weise. Deshalb ist die Gemeinde Jesu Christi vielfältig von Beginn an. Doch keine Gabe ist wertvoller als die andere. Die Menschen, die Gaben, durch Christi Geist verbunden, gehören zusammen. Daran mussten die Apostel immer wieder erinnern. Denn der Geist der Welt, der zur Spaltung führt, setzte auch bereits den ersten christlichen Gemeinden zu. Vom „Ich“ zum „Wir“ – weil Gottes Geist einer ist und unteilbar.
Unsere Vorfahren im Glauben entdeckten in der Bibel, dass Kirche nicht einfach immer da ist wie ein altes Haus. Das Augsburger Bekenntnis macht deutlich, dass Kirche da ist, wo Menschen durch das Wort Gottes gerufen sind, gemeinsam dieses Wort Gottes hören und Christus nachfolgen.
Diese Erfahrung wurde mir am Ende der Coronazeit beim ersten gemeinsamen Abendmahl nach vielen Monaten wieder neu deutlich. Das Abendmahl führt uns in der Kirche zusammen. Wir treten an den Tisch des Herrn. Wir empfangen Brot und Wein. Was verbindet uns aber in dieser Gemeinschaft? Nicht Alter, Herkunft, Geschlecht, nicht der soziale Status. Uns verbindet Christus. Wir sind Glieder an seinem Leib. Wir sind Empfangende – wie die Christinnen und Christen damals am ersten Pfingstfest. So schenkt Gottes Geist Gemeinschaft.