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Impuls

Gottes Liebe gilt allen

Impuls für Epiphanias, 6. Januar: Epheser 3,1-7.

Epheser 3,1-7

Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium.

Porträt von Matthias Hestermann
privat
Matthias ­Hestermann unterrichtet Evangelische Religionslehre an zwei Gymnasien im Raum Göppingen.

Das Erscheinungsfest ist für uns meist kaum mehr als ein Anhängsel von Weihnachten. Gerade gut genug, um das Ende der weihnachtlichen Urlaubs- und Ferienzeit zu markieren. „Epiphanias“, „Erscheinungsfest“ – schon die Worte klingen fremd – und so recht wissen wir manchmal nicht, um was es da eigentlich gehen soll. Ist nicht an Weihnachten alles gesagt, was es zu sagen gibt über das Kommen Gottes in die Welt?

Es gibt auch die Bezeichnung „Dreikönigstag“ – und sie führt uns tatsächlich auf die richtige Spur. Die Botschaft, dass mit Jesus der Erlöser, der langersehnte Messias Israels, geboren wurde, drängt über die Grenzen des Volkes Israel hinaus. Die alten Visionen müssen sich bewahrheiten, dass am Ende alle Menschen teilhaben werden an der Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Deshalb kommen Sterndeuter aus einem fernen Land nach Bethlehem – weil die Botschaft von Gottes unbedingter Gnade allen Menschen weltweit gilt und zum Maßstab des Zusammenlebens in der ganzen Welt werden soll.

Der Abschnitt aus dem Epheserbrief, der heute die Grundlage der Predigt bildet, stellt klar: Auch den sogenannten „Heiden“, also einfach allen Menschen, gilt die Botschaft von Gottes Liebe. Deshalb teilen Christen die Welt nicht ein in Menschen, für die sie sich verantwortlich fühlen, und andere, die sich selbst um ihre Probleme kümmern sollen.

Wir leben in einer Zeit, in der wir in den Augen mancher Menschen ein „Problem mit dem Stadtbild“ haben. Egal, ob mit dem „Problem“ erwerbslose junge migrantische Männer, vollverschleierte Frauen oder von migrantischen Menschen betriebene Geschäfte gemeint sind – das wird ja nicht erklärt – klar ist, dass nach dieser Auffassung die Optik einer weltoffenen, von vielen kulturellen Einflüssen geprägten Öffentlichkeit in unserem Land nicht erwünscht ist. Kämen die drei Weisen aus dem Morgenland (die ja mitnichten Juden oder Christen waren!) heute bei uns vorbei – sie würden vermutlich auch zu diesem „Problem“ gehören.

Der aufmerksame migrationskritische Leser der Geschichte von den drei Weisen würde vielleicht einwenden, man dürfe nicht übersehen, dass die drei Herren sich ja nach der Darbringung der Geschenke sofort selbst „remigriert“, und also gerade nicht auf Dauer zum „Problem mit dem Stadtbild“ beigetragen hätten. Unser Abschnitt aus dem Epheserbrief aber und schon das Alte Testament (3. Mose 19,33-34) belegen, dass unser Glaube sich nicht verträgt mit Forderungen nach ethnischer und kultureller Einheitlichkeit. Wer die Prägung unseres Landes durch die christliche Kultur betont und zugleich von Überfremdung und notwendiger Zurückdrängung fremder Kulturen redet, blendet das biblische Zeugnis aus, bewusst oder unbewusst.

An Epiphanias zeigt sich – und dadurch ist dieses Fest ein zentraler und unverzichtbarer Teil von Weihnachten, dass Jesus zu allen Menschen gekommen ist. Seine Botschaft von Gottes unbedingter Liebe gilt allen Menschen. Und deshalb fühlen wir Christinnen und Christen uns auch für alle Menschen dieser Welt verantwortlich und wirken mit daran, die Angst vor und die Feindschaft gegen Menschen zu überwinden, die aus aller Welt zu uns fliehen.

Gebet

Barmherziger Gott, du bist Mensch geworden für uns alle. Das Erscheinungsfest zeigt uns: Aller Welt gilt die Zusage, dass du jeden Menschen liebst und annimmst. Hilf, dass wir uns immer wieder neu daran ­erinnern, wenn wir ängstlich und engherzig gegenüber denen werden, die aus fernen Ländern zu uns gekommen sind. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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