Am Ende erfüllt eine dichte Wolke den Tempel und die Priester müssen Pause machen. – Stellen wir uns das einmal vor: Gottes Präsenz ist so intensiv, seine Herrlichkeit füllt das Gotteshaus derart aus, dass keine Pfarrerin, kein Organist und keine Mesnerin mehr hinzutreten kann. Das ist die humorvolle Pointe dieses Abschnitts: Wenn Gott anwesend ist, können die Hauptamtlichen einpacken.
Unsere Chöre, Singteams oder Bläsergruppen mögen für den Kirchenmusiksonntag Kantate großartige Werke einstudieren. Ob am Ende allerdings der Funke überspringt und ein spirituelles Highlight daraus wird, lässt sich zwar mit Proben gut vorbereiten. Letztlich liegt es jedoch nicht in der Hand der Musizierenden.
Die beiden Bücher der Chronik berichten von einem goldenen Zeitalter unter David und Salomo und rücken den Tempel ins Zentrum. Im Bericht von der Tempelweihe stimmt die Chronik mit den Königsbüchern fast wörtlich überein: Alles, was Rang und Namen hat, ist eingeladen. Das religiöse Personal sorgt für die Opferung von Schafen und Rindern, in Mengen, die alles Bisherige überboten. Der Holzkasten mit den beiden Gebotstafeln, die Lade, wird in den Tempel überführt und die Priester verlassen wieder das Heiligtum. Doch dann weicht der Autor der Chronik radikal von der Vorlage in 1. Könige 8 ab und ergänzt den oben angeführten Abschnitt. Völlig überraschend weist er den Leviten eine Hauptrolle zu. Das ist ein Novum in der biblischen Tradition! Bisher hatten die Leviten lediglich die einfachen Dienste im Tempel zu verrichten. Doch der Chronist stellt die Musiktreibenden nun den Priestern gleich. Ja, sie treten sogar wesentlich besser organisiert auf. Während die Priester als ungeordneter Haufen beschrieben werden, erscheinen die Leviten als fein gekleidete Sänger und Musiker, denen hundertzwanzig trompetende Priester beigeordnet werden.
Doch bevor wir den Abschnitt vorschnell dazu benutzen, um mögliche Konflikte zwischen Kantor und Pfarrerin zugunsten der Musiktreibenden zu entscheiden, sollten wir weiterlesen. Am Ende geht’s nämlich nicht darum, die verschiedenen Berufsgruppen oder gar Musikstile gegeneinander auszuspielen. Das gemeinsame Lob Gottes ist das Ziel. Im Hören auf die anderen vereinen sich die vielen verschiedenen Stimmen zu einer einzigen. Das gelang damals, weil unter Salomo die Tempelmusik professionalisiert wurde. Eine Garantie für eine spürbare Gotteserfahrung ist das freilich nicht.
Dass mich die Klangfülle beim Landesposaunentag ergreift, dass ich durch mein Singen Gottes Geist in mir spüre oder mich die unbeschreibliche Schönheit eines geistlichen Werkes Weinen macht – dafür braucht es die Offenheit, mich von Gottes Wolke leiten und umkleiden zu lassen.