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Impuls

Hab keine Angst!

Impuls zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr: 1. Thessalonicher 5,1-6. Von Stefanie Bauspieß

1. Thessalonicher 5,1-6 

Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: „Friede und Sicherheit“, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Stefanie Bauspieß lächelt in die Kamera.
privat
Stefanie ­Bauspieß ist Pfarrerin in Ulm-Grimmelfingen.

Vor einigen Jahren um genau diese Zeit verstarb plötzlich eine Nachbarin, das Dorf war erschüttert. Am Sonntag noch hatte ich sie nach dem Gottesdienst verabschiedet, ihr die Hand geschüttelt. In der Nacht auf Montag ist sie verstorben. Fassungslos standen wir da, mit Feuerwehr und Polizei nur konnte man ins Haus. Völlig unerwartet ist sie gestorben, wir drum herum waren aus dem Alltag gerissen.

Ereignisse finden statt, mit denen man nicht gerechnet hatte – obwohl man alles vorbereitet und plant. Aber wie viel können wir überhaupt für unser Leben planen? Wie viel haben wir eigentlich in unserer Hand? Von einer Sekunde auf die andere kann sich alles ändern.

Paulus wusste das schon lange vor 2026. Vielleicht schrieb er seiner Gemeinde in Thessaloniki deshalb unseren Predigttext. Paulus schreibt den Thessalonichern, weil sie Angst haben. Sie hatten geglaubt, Jesu Rückkehr würde schneller passieren. Nun sind einige von ihnen schon gestorben. Um diese Verstorbenen haben sie Angst und auch um sich selbst. Werden die Verstorbenen denn Jesus auch begegnen? Und was, wenn sie als Lebende es nicht mitbekommen?

Paulus sagt: Lasst euch nicht lähmen von dieser Angst. Vergesst vor lauter Angst nicht, zu leben und zu lieben, heute, in der Zeit bis zu jenem Tag. Das ist eure Zeit, euch von Gott geschenkt, nicht als lästiges Durchgangsstadium, sondern als eure Lebenszeit.

Auch wir leben in Angst. Angst vor dem, was wir kennen, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Angst vor Anschlägen, vor Naturkatastrophen. Wir haben Angst vor dem, mit dem wir nicht rechnen können. Vor dem Unbekannten, dem, wovor wir uns nicht schützen können, und was wir nicht sehen. Angst um unsere Kinder, um unsere Eltern, um den Arbeitsplatz und unsere Kirche …

Was würde Paulus uns sagen? Vielleicht das: Lebe nicht unter dem drohenden Schatten des Todes, lass dich nicht fangen und bannen vom Blick auf ein Ende, das du nicht kennst. Deine Geschichte hat Gott schon angenommen, er hat dein Leben schon bestätigt, du bist schon am Ziel. Das Entscheidende ist schon passiert. Lass dich nicht lähmen von der Angst, vergiss vor lauter Angst nicht, zu leben und zu lieben, heute und auf die Zukunft hin. Leb in der Gegenwart, mach sie wohnlich und heiter. Freu dich mit den Fröhlichen und weine mit den Traurigen. Leb verantwortlich, setz die Zukunft nicht mutwillig aufs Spiel, denn sie ist das Land, aus dem Gott dir entgegenkommt. Der Gott, den du schon kennst. Hab keine Angst. Etwas von seinem Licht und Heil kennst du schon. Du hast es geschmeckt bei deiner Taufe, du bist ja schon ein Sohn, eine Tochter des Lichts und des Tages. So tritt deiner Angst vor dem Ungewissen entgegen, schau ihr ins Gesicht, nimm den Kampf mit ihr auf. Du bist dafür gerüstet: Dein Glaube und deine Liebe schützen dich wie ein Panzer, deine Hoffnung ist ein Helm.

Gebet

Mein lieber Gott, du zeigst mir, dass du da bist, Manchmal spüre ich dich, viel zu oft suche ich nach dir. In all meiner Angst und Not, selbst im Sterben fängst du mich auf. Dennoch komme ich immer wieder mit Angst um mein Leben vor dich. Lass du mich spüren, dass du mich hältst in jedem Fallen. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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