Impuls

Heilsamer Zug nach oben

Impuls zu Christi Himmelfahrt: Apostelgeschichte 1,3-11.

Apostelgeschichte 1,3-11 (In Auszügen) 

Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Er sprach: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Foto: privat
Der promovierte Theologe Armin Münch aus Schwäbisch Hall war vor ­seinem Ruhestand Lehrer in Künzelsau.

Himmelfahrt – der mittlere in der „Trinität“ von arbeitsfreien Donnerstagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zwischen Gründonnerstag und Fronleichnam. Dafür sind viele der Kirche dankbar, auch wenn man oft nicht  weiß, wie man das angemessen begehen soll, und dann den Himmelfahrtstag, als augenzwinkernde Entsprechung des Muttertags, zum „Vatertag“ umfunktioniert.

Die Himmelfahrt Jesu ist in Zeiten der Aufklärung verspottet worden als plumpe Mythologie. Wohl, weil wir im Deutschen, im Gegensatz zum Englischen, die Unterscheidung zwischen „sky“ (blauer Himmel der Spatzen und Flugzeuge) und „heaven“ (jenseitiges göttliches Reich der Liebe) nicht kennen.

Dabei ist die Himmelfahrt ein vollkommen stimmiges Element der großen Erzählung der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Da wird eine Figur beschrieben, die einem U gleicht. Das beginnt oben, im „Himmel“, und geht hinab auf die Erde in der Christgeburt. Und sogar noch tiefer, in das Reich des Todes hinab. Von jenem Umkehrpunkt an geht es wieder aufwärts. An Ostern wird sozusagen die Erdoberfläche durchbrochen. Nach immerhin 40 Tagen des „Sich-Sehen-Lassens“ unter den Jüngern geht es dann vollends nach oben. Nicht nur um wegzugehen, sondern um wiederzukommen, im Geist. Die Himmelfahrt ist somit die Voraussetzung für Pfingsten.

Das Christentum erweist sich als eine Religion der Bewegung. Und zwar einer Bewegung sowohl in die Tiefen des Menschseins, die sogar Sterben und Tod mit umgreift, als auch einer nach oben, in ein gesteigertes Dasein, indem es eine „Vertikalspannung“ bewirkt, um einen Ausdruck von Peter Sloterdijk zu verwenden. Himmelfahrt ist ein Zug nach oben, eine Anziehungskraft vom Jenseits her, die uns Kraft geben kann für die Bewältigung der irdischen Schwerkraft. Will sagen, für die Aufgaben und Lasten dieses Lebens unter den alltäglichen Bedingungen. Der Theologe Ernst Troeltsch meinte einmal treffend: „Das Jenseits ist die Kraft des Diesseits.“ Im Glauben kann man diese sanfte Aufrichtung in die Möglichkeiten jenseits unseres eigenen Vermögens manchmal spüren. Beim Beten, beim Meditieren, beim Lesen, beim Betrachten von Kunst, in zwischenmenschlichen Begegnungen. Das kann erhebend sein und tröstend. Man ahnt, dass das Leben einen Mehrwert hat und nicht nur aus Ablenkung, Zeitvertreib und Genuss besteht.

In seltenen, aber glückseligen Momenten kann man sogar die Gewissheit bekommen, dass der „Himmel in dir“ ist, wie es Angelus Silesius so schön ausdrückte. Eine Leichtigkeit des Herzens, die Seele, Geist und Leib aufrichtet.

Gebet

Himmlischer Vater, in deinem Sohn Jesus ­Christus warst du bei uns, hast unser irdisches Schicksal geteilt und bist zurückgekehrt, um im Geist wiederzukommen in unsere Welt und in unser Herz, wo wir ein wenig Himmel erfahren können. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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