Himmelfahrt – der mittlere in der „Trinität“ von arbeitsfreien Donnerstagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zwischen Gründonnerstag und Fronleichnam. Dafür sind viele der Kirche dankbar, auch wenn man oft nicht weiß, wie man das angemessen begehen soll, und dann den Himmelfahrtstag, als augenzwinkernde Entsprechung des Muttertags, zum „Vatertag“ umfunktioniert.
Die Himmelfahrt Jesu ist in Zeiten der Aufklärung verspottet worden als plumpe Mythologie. Wohl, weil wir im Deutschen, im Gegensatz zum Englischen, die Unterscheidung zwischen „sky“ (blauer Himmel der Spatzen und Flugzeuge) und „heaven“ (jenseitiges göttliches Reich der Liebe) nicht kennen.
Dabei ist die Himmelfahrt ein vollkommen stimmiges Element der großen Erzählung der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Da wird eine Figur beschrieben, die einem U gleicht. Das beginnt oben, im „Himmel“, und geht hinab auf die Erde in der Christgeburt. Und sogar noch tiefer, in das Reich des Todes hinab. Von jenem Umkehrpunkt an geht es wieder aufwärts. An Ostern wird sozusagen die Erdoberfläche durchbrochen. Nach immerhin 40 Tagen des „Sich-Sehen-Lassens“ unter den Jüngern geht es dann vollends nach oben. Nicht nur um wegzugehen, sondern um wiederzukommen, im Geist. Die Himmelfahrt ist somit die Voraussetzung für Pfingsten.
Das Christentum erweist sich als eine Religion der Bewegung. Und zwar einer Bewegung sowohl in die Tiefen des Menschseins, die sogar Sterben und Tod mit umgreift, als auch einer nach oben, in ein gesteigertes Dasein, indem es eine „Vertikalspannung“ bewirkt, um einen Ausdruck von Peter Sloterdijk zu verwenden. Himmelfahrt ist ein Zug nach oben, eine Anziehungskraft vom Jenseits her, die uns Kraft geben kann für die Bewältigung der irdischen Schwerkraft. Will sagen, für die Aufgaben und Lasten dieses Lebens unter den alltäglichen Bedingungen. Der Theologe Ernst Troeltsch meinte einmal treffend: „Das Jenseits ist die Kraft des Diesseits.“ Im Glauben kann man diese sanfte Aufrichtung in die Möglichkeiten jenseits unseres eigenen Vermögens manchmal spüren. Beim Beten, beim Meditieren, beim Lesen, beim Betrachten von Kunst, in zwischenmenschlichen Begegnungen. Das kann erhebend sein und tröstend. Man ahnt, dass das Leben einen Mehrwert hat und nicht nur aus Ablenkung, Zeitvertreib und Genuss besteht.
In seltenen, aber glückseligen Momenten kann man sogar die Gewissheit bekommen, dass der „Himmel in dir“ ist, wie es Angelus Silesius so schön ausdrückte. Eine Leichtigkeit des Herzens, die Seele, Geist und Leib aufrichtet.