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Impuls

Hoffnungsperspektive

Impuls zu Christi Himmelfahrt: Johannes 17,20-26.

Johannes 17,20-26

Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und ­werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Porträt von Reiner Zeyher
Foto: privat
Reiner Zeyher leitete vor dem Ruhestand das Dekanat Vaihingen-­Ditzingen.

Jesus nimmt Abschied. Johannes schildert das Geschehen in einer dichten Komposition. Am Ende steht das Hohepriesterliche Gebet. Jesus wendet sich darin an seinen Vater. „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben ­werden.“ Stellvertretend tritt er für die Jünger ein, mehr noch: für alle Menschen, die durch das Zeugnis der Jünger zum Glauben kommen. Damit sind auch wir im Blick. Seine Gefangennahme steht bevor. Man wird ihn erhöhen. Nicht in den Himmel, sondern ans Kreuz. ­Jesus weiß darum. Sein Tod ist unausweichlich. Denn Gottes Gegenwart in der Welt stört bei der Durchsetzung der eigenen Machtansprüche.

Eine Welt ohne Gott, damit die eigenen Machtansprüche in der Welt durchgesetzt werden können. Wie aktuell in diesen Zeiten, in denen weltweit ohne Skrupel eben dies gemacht wird. In einem Ausmaß und einer Perfidität, die ihresgleichen sucht. Man kann schon Angst bekommen, wenn das Böse einem so nahekommt. Ist das der Bezug zum Himmelfahrtsfest? Gott im Himmel und wir Menschen – gottverlassen – auf Erden? Ist das gemeint, wenn wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten: „Aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.“ Eine gottverlassene Welt unter Gottes Gericht?

Auch wenn es uns angesichts schreiender Ungerechtigkeit in der Welt so vorkommen mag. An Christi Himmelfahrt feiern wir genau das Gegenteil. Denn: Christi Himmelfahrt ist Gottes machtvolle Bekräftigung und bleibende Verheißung an uns und alle Welt: In aller erlebter und erfahrener Gottferne, in aller Ungerechtigkeit und Friedlosigkeit dieser Welt, ist Gott dennoch gegenwärtig.

Es ist wie bei den alten Spiegelreflexkameras, mit der auch ich in vordigitaler Zeit Bilder machte. Jedes einzelne Bild sorgfältig abwägend, ob ich es mache oder nicht. Da gab es am Objektiv einen Knopf, mit dem man die Tiefenschärfe des Fotos sichtbar machen konnte. Und wenn man diesen drückte, dann sah man durch das Bild hindurch. Es war kein anderes Bild, aber man sah plötzlich tiefer in das Bild hinein, schärfer und klarer, konturierter.

Glauben im Schatten des Kreuzes ist nichts anderes. Es ist das tiefe Vertrauen und das Wissen auch, dass Gott gegenwärtig ist, selbst im perfidesten und krassesten Angesicht des Bösen. Es ist also nicht so als ob Gott mit dem Leben der Welt nichts mehr zu tun haben wolle. Gewiss: Jesus hat diese Welt verlassen. Er hat Abschied genommen von den Seinen und von uns. Aber in und mit seinem Abschied hat er zugleich auch Hoffnung und Liebe tief in diese Welt eingezeichnet und zwar nicht nur für einen kleinen Augenblick, sondern auf ewig: „Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen“.

Freilich: diese Liebe für die Welt ist nicht sofort sichtbar. Und einen Knopf gibt es auch nicht, den man einfach betätigen könnte, um tiefer zu blicken. Aber wer Augen hat, zu sehen, der sieht im Schatten des Kreuzes tiefer, in und durch alle Lieblosigkeit dieser Welt hindurch: Hoffnung für uns und die ganze Welt und zwar in alle Ewigkeit hinein. Das ist die große und bleibende Hoffnungsperspektive, die mit Christi Himmelfahrt tief und fest in diese Welt hineinverwoben ist!

Gebet

Himmlischer Vater, Krieg und Hass verdunkeln deine Gegenwart. Wir bitten dich für uns: Stärke in uns die ­Gewissheit, dass du in Jesus Christus dennoch da bist – in und durch alle Lieblosigkeit hindurch. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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