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Impuls

Licht im Advent

Impuls zum Ersten Advent: Römer 13,8-12.

Römer 13,8-12

Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.

Porträt von Stefanie Wöhrle
privat
Die promovierte Theologin Stefanie Wöhrle ist Pfarrerin in Tübingen-Hagelloch.

Ein Geräusch, ein Geruch, eine helle Flamme. Es ist ein besonderer Moment, wenn der Zündkopf des Streichholzes über die Reibefläche huscht und ein Feuer entfacht. Ein Geräusch, ein Geruch, eine helle Flamme. Es ist ein besonderer Moment, wenn die erste Kerze auf dem Adventskranz in unseren Kirchen, in unseren Häusern entzündet wird.

Etwas geheimnisvolles liegt auf dem Beginn der Adventszeit. Alle Jahre wieder und doch jedes Jahr neu, jedes Jahr einmalig. Im Licht der ersten Kerze leuchtet ein Geheimnis auf, eine Verheißung, ein Versprechen: die Zusage, dass Gottes Licht in die Welt kommen wird, jetzt am ersten Advent, einst, am Ende aller Tage.

Das Licht des Advents. Es ist göttliches Licht, das mitten in die Dunkelheit der Welt und des eigenen Lebens hineinleuchtet. Es durchbricht die Finsternis auf den Schlachtfeldern in Charkiw und in den Trümmern von Gaza. Es erhellt die Dunkelheit in Krankenzimmern und auf Sterbebetten. Es vertreibt die Schatten in durchgrübelten Nächten. Das alles vermag das Licht einer einzelnen Kerze zu tun. Über die Jahre ist in Vergessenheit geraten, welche Kraft von diesem Licht ausgeht. Denn der absolute Durchbruch des Lichts, die Wiederkunft Jesu und die mit ihm verbundene Aufrichtung seines Reichs steht immer noch aus. Dabei ist der Advent, die Wiederkunft des Herrn, ein entscheidender Gegenstand des Glaubens der ersten Christinnen und Christen. Eine Hoffnung, die den noch neuen Glauben an Jesus von Nazareth, den gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes, am Leben erhält. Jesus wird kommen, sein Licht wird die ganze Welt erhellen und verändern. Diese Verheißung lässt die Menschen die Schrecken im eigenen Leben und in der Welt aushalten.

Paulus wendet sich an die Gemeinde in Rom, die unter Verfolgung und Verachtung leidet. Er fordert sie dazu auf, trotz aller Not an ihrem Glauben, festzuhalten, ihre Hoffnung auf Gott aufrecht zu erhalten und aus ihr heraus das Leben aktiv zu gestalten. Wenn er zum „Anlegen der Waffen des Lichts“ auffordert, schreibt er in bildgewaltigen Worten. Die Kriegsmetaphorik ist verstörend. Aber es ist kaum möglich, sich der Kraft, die in diesen Worten liegt, zu entziehen. Wer am ersten Advent die erste Kerze auf dem Adventskranz anzündet, kann und darf sich nicht in die von ihr ausgehende heimelige und gemütliche Atmosphäre zurückziehen und der Welt entfliehen. Wer am ersten Advent die erste Kerze auf dem Adventskranz anzündet, soll sich vielmehr für den Frieden in seinem direkten Umfeld und in der Welt einsetzen. Er soll sich um Kranke und Schwache kümmern und sich von den eigenen Ängsten und Sorgen nicht lähmen lassen.

Das Licht der ersten Kerze auf dem Adventskranz ist also viel mehr als ein Geruch, ein Geräusch, eine helle Flamme. Es ist ein Feuer, das in uns alle Jahre wieder neu entfacht wird. Es lässt uns aufstehen und handeln, damit Gottes Licht nicht nur in unseren Kirchen und Häusern aufleuchtet, sondern überall auf der Welt. So wird der Advent mehr als eine weltfremde Hoffnung. Er wird zu einer Kraft, die die Welt verändern kann, nicht erst am Ende aller Tage, sondern schon heute, hier und jetzt.

Gebet

Das Licht einer Kerze. Ein Versprechen, das du, Gott, in unsere Welt kommst. Eine Hoffnung, dass Hass, Gewalt und Not enden. Eine Kraft, aus der wir leben und dein Licht in die Welt tragen können. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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