„Es muss doch alles seine Ordnung haben“. „Wenn sich keiner mehr an die Regeln hält, herrscht Chaos“. Sätze, die klar machen, wie wichtig Ordnung und Regeln für unser Zusammenleben sind. Wer schon mal „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt hat, weiß, was passiert, wenn Regeln ignoriert werden. Da kippt die Stimmung. Da kann das Spielbrett samt Figuren durch die Luft fliegen.
Nur durch Regeln ist der Schutz des eigenen Körpers und der eigenen Seele vor Gewalt gewährleistet. Wenn alle sich daranhalten, dass das Ende meiner Freiheit die Grenze meiner Mitmenschen ist, wird keiner Schaden nehmen. So werden Freiheit und Sicherheit gewährt. Wohin es in der großen Politik führt, wenn Regeln ignoriert und gebrochen werden, lässt sich seit einiger Zeit beobachten. Das verunsichert und gefährdet Menschen.
Und doch gibt es jene, die es mit den Regeln übertreiben. Wo alles geregelt sein muss, damit die Welt stabil bleibt. Menschen, deren Weltbild sofort in Schieflage kommt, wenn jemand bei Rot über die Fußgängerampel geht.
Auch Religionen regeln über Gebote das Zusammenleben. Sie haben einen doppelten Sinn: gutes Zusammenleben zu ermöglichen und im Sinne Gottes das Leben und die Welt gestalten. Auch da gibt es unterschiedliche Haltungen: Manche sind bis hin zur Selbstaufgabe bemüht, jede einzelne Regel einzuhalten, andere eher locker im Umgang mit den religiösen Regeln.
Die Pharisäer, denen Jesus in der Erzählung vom Ährenraufen am Sabbat begegnet, glauben, dass der Messias kommt, wenn alle Gebote eingehalten werden. Jedes Brechen einer Regel hat dann immense Folgen. Gott kommt nicht. Gott wendet sich ab. Also wie kommt Jesus dazu, den Sabbat zu brechen? Ausgerechnet den Sabbat. Genau betrachtet ist der Sabbat das letzte Schöpfungswerk Gottes. Darauf läuft die ganze Schöpfung zu. Der Sabbat ist das Ende, der Höhepunkt der Schöpfung und nicht der Mensch. Den Sabbat zu halten, wie Gott ihn gehalten hat, entspricht unserer Gottebenbildlichkeit. Zur Ruhe zu kommen. In der Ruhe sich selbst und Gott begegnen. Orientierung für die neue Woche zu erhalten und sich so zu stärken, für das, was ansteht.
Wie kommt Jesus dazu, ausgerechnet den Sabbat zu brechen? Jesus trägt mit seinem Reden und Handeln Gott in die Welt. Wie lässt sich deutlicher zeigen, wie Gott ist? Der ist in seinem Wesen Liebe. Liebe, die nichts davon hat, wenn einer hungert, nur damit alle Gebote eingehalten werden. Liebe, die eher will, dass sie fließt und die Welt verändert. Eine Haltung, die versucht vom Menschen aus zu denken, und ihn mit Gottes Liebe zu berühren.
Regeln sind wichtig. Aber es geht darum, wie sie dem Menschen nutzen. Wie sie dem Leben dienen. Denn so lassen sich doch Gottes Gebote zusammenfassen: Sie sollen dem Leben dienen. Das ist keine Einladung, jedes Gebot fröhlich zu brechen. Das ist die Ermutigung, den Menschen und was er braucht, in den Blick zu nehmen. Damit Gottes Liebe wächst und das Leben gedeiht.