„Heute wirst du mit mir im Paradies sein“, hat er gesagt, der Gekreuzigte (Lukas 23,43). Also ist er jetzt im Paradies. Und ich frage mich: Ist es so im Paradies? Es würde mir gefallen. Das Paradies als ein Ort, an dem der Auferstandene präsent ist. Mitten unter uns ein Ort des Friedens und ich darf alles sein – außer mir vor Freude und voller Schmerz. Dann wäre es also so: „Schalom“, Friede, so tritt der Auferstandene mitten unter seine Freundinnen und Freunde. Er ist präsent. Mitten unter ihnen mit Leib und Seele. Mit Frieden und mit seinen Wunden. Sie legen ihre Finger hinein. Hände und Füße des Auferstandenen sind gezeichnet vom Schmerz der ganzen Welt. Der Auferstandene trägt an ihnen. Immer noch ist er gezeichnet vom Schmerz. Von der Scham. Von den Tränen. Alles noch da. Auch das gehört ins Paradies. Kein Vergessen und Schwamm drüber. Dieses Paradies ist nicht himmelblau oder rosarot. Es ist ein Paradies für Leib und Seele.
Also ist der Schmerz auch da, er gehört dazu. Vielleicht muss der Auferstandene auch darum etwas essen. Um Kraft zu schöpfen. Schmecken und sehen gehören zusammen und Essen hält Leib und Seele zusammen. Manchmal hilft Normalität gegen den Schmerz. Also gehört auch der Alltag zum Paradies. Das Normale. Miteinander essen und Erfahrungen teilen, in Erinnerungen schwelgen mit einem Stück gebratenem Fisch: „Als ich noch bei euch war“, sagt der Auferstandene. Erinnert ihr euch? Wie oft haben sie miteinander gegessen. Brot geteilt, Fisch und Wein. Mit Zachäus haben sie gegessen, bei Maria und Martha es sich gut gehen lassen und auch beim Pharisäer, als die Frau hereinkam mit dem Salböl. Als sie das letzte Mahl miteinander feierten in Jerusalem.
Sie begreifen: Jesus ist nicht mehr bei ihnen. Aber der Auferstandene ist mitten unter ihnen. Er ist nicht derselbe Jesus, der mit ihnen gegessen und getrunken hat. Jesus ist Erinnerung. Der Auferstandene aber ist Zukunft. Gezeichnet von den Wunden der Liebe erinnert der Auferstandene seine Freundinnen und Freunde an das, was war, und bereitet sie vor auf das, was kommt. Mit den Worten der Bibel stärkt er sie, mit Weisungen des Mose und den Worten der Propheten. Mit uralten und neuen Liedern, den Psalmen. Gemeinsam lesen und hören sie und machen ihre eigene Ostererfahrung: Die Jüngerinnen und Jünger verstehen. Sie begreifen den Schmerz, die Worte der Bibel werden für sie lebendig. Außer sich vor Freude erfahren sie: Jetzt ist Ostern.
So wünsche ich mir Ostern. Zusammen sein, Erinnerungen und Hoffnung teilen, Schmerzen zulassen und vor Freude außer sich sein. Worte lebendig werden lassen und begreifen. Jesus ist nicht mehr hier. Aber der Auferstandene ist mitten unter uns. Das ist wie im Paradies.