Die Geschichte erzählt von der Berufung des Simon Petrus zum ersten Jünger. Wir sehen, wie dieser sich nicht binden lässt von seinen bisherigen negativen Erfahrungen, sondern im Vertrauen auf Jesus frei wird, das Ungewöhnliche zu wagen: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ Indem der Fischer Simon sich von Jesus in die Verantwortung nehmen lässt, wird aus ihm ein neuer Mensch mit neuer Aufgabe: Petrus, der Menschenfischer. Auf dem Weg dorthin gilt es für ihn Kleinglauben und Angst zu überwinden. Jesus ermutigt ihn dazu. Und Petrus geht das Wagnis ein. Alles geschieht in Freiheit, ohne Druck und Zwang. Das, was Petrus und seine Gefährten, Jakobus und Johannes, überzeugt, ist die überwältigende Erfahrung der Fülle: Am hellichten Tag gelingt ihnen der Fang ihres Lebens. Sie erleben, was möglich ist, wenn sie sich ganz auf Jesu Wort verlassen. Das erweckt in ihnen den Mut, von nun an ihr Leben zu ändern und Jesus nachzufolgen. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sie dabei erstaunliche Erfahrungen machen. Immer wieder werden die Jünger an ihre eigenen Grenzen stoßen. Sie werden ihre Schwächen erkennen und die Zweifel ihres Kleinglaubens überwinden lernen. Aber sie werden eben darin auch wachsen in der Erfüllung ihrer Aufgaben.
Könnte das nicht ein Gleichnis dafür sein, was geschieht, wenn sich Menschen für die Sache Gottes in Dienst nehmen lassen? Sören Kierkegaard hat einmal gesagt: „Jesus will keine Bewunderer, sondern Nachfolger. Die Bewunderer sind heute begeistert von Jesus und morgen von einem anderen. Die Nachfolger können ihren Herrschaftswechsel nicht mehr rückgängig machen. Die Bewunderer fragen: Was habe ich von Jesus? Die Nachfolger fragen: Was hat Jesus von mir? Nein, Jesus will keine Bewunderer, auf sie kann er verzichten, auf Nachfolger nicht!“
Auch heute kann und will Jesus nicht auf Menschen verzichten, die seine Sache weitertragen. Als Kirche Christi können wir uns entweder von negativen Erfahrungen binden lassen und in Schockstarre verfallen, weil wir manche Nacht vergeblich im Trüben gefischt haben. Oder wir werden im Vertrauen auf Christus bereit, aufs Neue hinauszufahren und unsere Netze dort auszuwerfen, wo es in die Tiefe geht. Nur mit Halbherzigkeit und Kleinmut werden wir nicht weit kommen. Dies hat Dietrich Bonhoeffer in seinem Buch „Nachfolge“ im Anschluss an Kierkegaard deutlich gemacht. Gott wird die Erfahrungen der Fülle auch uns nicht verweigern, wenn wir uns auf sein Wort der Verheißung verlassen.