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Impuls

Segen zusprechen

Impuls für den Sonntag Trinitatis: 4. Mose 6,22-27.

4. Mose 6,22–27

Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein ­Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Elke Dangelmaier-Vinçon in einer Kirche
Foto: Ludmilla Parsyak
Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vinçon ist Dekanin von Stuttgart-­Zuffenhausen.

Mit einem Team aus jungen Ehrenamtlichen bereitete ich einen Gottesdienst vor, in dem neue Mitarbeitende eingeführt werden sollten. Einer schlug vor: „Und dann stellen wir uns hinter sie und segnen sie!“ Mich schüttelte es, als ich mir diese Szene vorstellte. Segen zusprechen von hinten? Unmöglich! Zwei Mal ist im aaronitischen Segen von Gottes Angesicht die Rede. Davon, dass Gott sich uns zuwendet. Das geht nicht von hinten.

Angesehen werden ist wichtig. Das wissen schon Babys. Sie suchen den Blick der Person, die sie hält, und er­fahren so buchstäblich Zuwendung. Zuwendung, die lebensnotwendig ist. Denn nur, wenn sie angesehen werden, werden ihre Bedürfnisse wahrgenommen.

Ansehen ist auch für Erwachsene wichtig. Wer es zu etwas gebracht hat im Leben, ist eine angesehene Person. Und angesehene Personen ­genießen Respekt. Wer es zu nichts gebracht hat, wird dagegen schief angesehen oder – schlimmer noch – gar nicht wahrgenommen. Nicht beachtet zu werden ist kränkend. Jemanden zu ignorieren, ist oft verletzender als ihn zu beschimpfen.

Christen und Juden glauben an einen Gott, der mit uns Menschen in Beziehung tritt. Der uns ansieht, sich uns zuwendet. Gottes Zuwendung, das ist Segen. Segen, davon sind die Menschen der Bibel überzeugt, ist nicht irgendeine spirituelle Energie. Segen ist für die Bibel ganz handgreiflich. Segen, das ist Frieden, ein Dach über dem Kopf und ein voller Bauch. Segen ist eine stabile Partnerschaft und gut geratene Kinder. Segen ist ein Arbeitsplatz und genügend Geld im Haus. Segen heißt, dass es mir gut geht, dass ich nicht Not leide, dass für alle meine Bedürfnisse gesorgt ist. Segen fließt, wenn Gott sich Menschen zuwendet. Doch das geht nicht automatisch.

Wir reden oft und schnell vom „lieben Gott“, als wäre er nur dafür da, Segen zu verteilen. Die Bibel spricht nie vom „lieben Gott“. Sie weiß, Gott kann sich auch abwenden von Menschen oder von seinem ganzen Volk. Dann fehlt alles, was zum Segen gehört. Wenn Gott uns die kalte Schulter zeigt, wird es dunkel und kalt.

Viele hatten schon solche Zeiten durchzustehen. Zeiten, in denen Gott scheinbar taub war für alle Gebete. Weil Segen nicht selbstverständlich ist, weil er auch aus­bleiben kann, muss immer wieder um ihn gebetet ­werden, muss er immer wieder zugesprochen werden. Etwa bevor wir hinausgehen aus der Geborgenheit der Kirche hinein in eine neue Woche. Immer wieder neu brauchen wir die Zusage, dass Gott uns ansieht, dass wir von und vor Gott angesehene Menschen sind.

Segnen ist aber nicht nur die Aufgabe von Priestern und Pfarrern. Segnen können auch ganz normale Menschen. Und sie tun es auch. Ohne es zu wissen. Segen versteckt sich in Grußformeln. In Bayern im „Pfüatdi“, was heißt „Behüte dich Gott“. So verabschiedet sich hier niemand. Hier heißt es „Tschüss“ oder „Ade“. Das eine klingt norddeutsch, das andere schwäbisch. Doch beide haben den gleichen Ursprung: das französische „Adieu“. Auch das ist ein Segenswunsch: „zu Gott“ oder „Gott befohlen“. Wenn wir uns also so voneinander verabschieden, vertrauen wir einander Gott an. Mit einem Wort, ganz nebenbei. Es macht den Segen nicht wertlos, wenn wir ihn in unseren Grüßen weitergeben. Denn Segen ist nie etwas, was wir festhalten können oder dürfen. Gottes Zuwendung, der Segen, gehört uns nie ganz allein. Er will und er muss weiterfließen. In kleinen und in großen Worten.

Gebet

Gott, segne und behüte uns. Jesus Christus, sei mit uns auf dem Weg,
jeden Tag. Kraft des Heiligen Geistes, erfülle uns und schenke uns Mut und Fantasie. Dreieiniger Gott, gib Frieden für diese Welt. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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