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Impuls

Sehnsucht nach Erlösung

Impuls zum Zweiten Advent: Lukas 21,25-33.

Lukas 21,25-33

Die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Porträt von Jürgen Stauffert.
privat
Jürgen Stauffert ist Pfarrer an der Christus­kirche Erlenbach im ­Dekanat Weinsberg-Neuenstadt.

Ja, wir warten alle auf Erlösung: von Kriegen, von der Klimaerhitzung und den Folgen von Verteilungskämpfen, Hungersnöten, Migration; von beleidigenden Umgangsformen im Digitalen und Analogen; von zweifelhaften KI-generierten Bildern, Videos, Texten; von einer ressourcenraubenden Wachstumsökonomie; von einer nationalistisch-ausgrenzenden Haltung; von einer rigorosen Religiosität, die Gewalt, Vertreibung, Aushungern, Terror rechtfertigt; von Religionen und Religionsführern, die rückwärtsgewandt im Zusammenspiel mit Diktatoren und Autokraten agieren.

Wird einer kommen, um die Welt, den Planeten (wieder?) in Ordnung zu bringen? Der Menschenfreund und Gottessohn konnte damals nicht wirklich mit Kraft und Herrlichkeit seine Welt zum Besseren wandeln. Man hat ihn weghaben wollen, aber seine Worte sind geblieben. Selig sind die Hungernden und Dürstenden nach Frieden, Gerechtigkeit; selig sind die Wagemutigen. Im Hoffen und Warten auf einen, der’s richten wird – kommen da nicht Hilflosigkeit und eine voreilige Selbstentschuldigung zum Ausdruck, Erlösendes nicht selbst anzugehen?

„Wollen wir das Beste hoffen.“ Mich nervt mittlerweile solch ein Satz nach Gesprächen, wenn man die Schlechtigkeit der Welt bejammert hat und dann auf den nächsten Urlaub und das neue Auto zu sprechen kommt. Hoffen – ein Wort, oft daher gesagt, aber ich nehme kaum Zeichen wahr, was und wer wirklich Hoffnung machen könnte.

Advent ist zwar die liturgische Zeit der Hoffnung und des Wartens auf den einen Erlöser, die Erlöserin, aber spätestens am dritten Weihnachtstag ist bei vielen die gefühlige Stimmung vorbei und sie sind erlöst von all den Anforderungen an harmonische Familienfeste, opulent-schöne Gottesdienste mit allem, was eine Gemeinde zu bieten hat. Man hat es dann geschafft, ist erschöpft und hat die Tage voller Vorbereitungen und Anspannung hinter sich gebracht.

Das Kommen des Menschensohnes – ein kosmisches Ereignis? Vermutlich wird es noch planetarisches Wanken und ökologische Kipppunkte brauchen und den Menschen bange werden, bis auch die mächtig-wohlhabenden Verbrauchenden merken, so kann und darf es nicht mehr weitergehen. Dann ist die Zeit reif, dann ist die Zeit gekommen für Menschensöhne und -töchter, die eine sorgsame, genügsame, respektvolle (Welt-)Gemeinschaft aufbauen können. Wie damals, als die Väter (und eine Mutter) nach dem Weltkrieg und der unfassbaren Zerstörung von Menschenleben, Gütern und Moral unser freiheitliches Grundgesetz formuliert haben, als die 50 Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen die Charta unterzeichneten, in der Sehnsucht, dass Völker Streitigkeiten künftig friedlich beilegen.

Ob sich die Menschheit auf den Menschensohn freuen wird, wenn er kommt, ihnen die Augen zu öffnen? Die Profiteure der lebenszerstörenden „Ordnungen“, werden ihn wieder loshaben wollen, aber manche werden Hoffnung schöpfen – wie die ersten Christen damals.

Erlösung ist, wie Frieden und Gerechtigkeit, nicht ein Zustand, sondern eine immerwährende Sehnsucht, sich nicht zufrieden zu geben und wachsamen Auges zu sein, wo doch immer wieder unter uns aus seinen Worten heraus Heilsames und Versöhnendes geschieht.

Gebet

Ich möchte die Welt mit deinen Augen sehen, Ängste und Nöte hören, soviel mir möglich ist. Ich will die Sehnsucht nach einer heilen Welt spüren und bitte dich um genügend Kraft und Mut, mit dir das meine zu wirken. Und ich will mir immer wieder vorstellen und auch erleben wie erlöste Geschöpfe friedvoll jubeln, lachen und danken. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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