Das neue Jahr hat ein wenig von seinem anfänglichen Glanz verloren. Meine guten Vorsätze sind schon zehn Tage alt. Manche haben nicht mal drei Tage überlebt. Und so sehe ich auf die Liste und denke: Ich brauche einen Vorsatz, der mich zugleich motiviert und herausfordert. Einer, der mir die Freiheit schenkt, Fehler machen zu dürfen und mich anspornt, immer besser zu werden.
Ich lese den Wochenspruch für die kommende Woche und bin überrascht: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“ (Römer 8,14) – ist das nicht genau so ein Vorsatz, den ich suche? Kurzerhand werfe ich alle anderen Vorsätze über Bord und überschreibe innerlich das Jahr 2026 mit den Worten: „Ich bin getauft. Ich bin ein Kind Gottes. Mich treibt Gottes Geist“. Denn bei der Taufe Jesu wie auch bei jeder anderen Taufe wird es unsichtbar sichtbar. Der Himmel öffnet sich und Gott spricht sein Wort über unser Leben: „Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter.“ Der Abschnitt aus Matthäus 3,13-17 erzählt zwar von Jesu Taufe. Aber was hier erzählt, angedeutet und mitgemeint ist, gilt auch uns.
Zunächst wehrt sich Johannes dagegen, Jesus zu taufen, doch Jesus überzeugt ihn: „Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“
Um Gottes Gerechtigkeit sichtbar zu machen, braucht es beide: Johannes und Jesus, Gott und Mensch oder Mensch und Mensch. Denn Gerechtigkeit lebt von Vergebung. Jesus reiht sich mit seiner Bitte um die Taufe ein in die Menschheit, die Vergebung und Zuspruch braucht. Das Matthäusevangelium zeichnet Jesus nicht als einen Übermenschen, der ohne eigene Verstrickungen in den Mächten der Welt fröhlich dahinlebt. Nein, Jesus sieht sich als Teil dieser kaputten und heilbedürftigen Welt. Seine Taufe ist seine Beauftragung, sich den Mächten und Gewalten zu widersetzen und folglich Gottes Barmherzigkeit groß zu machen.
Und Gott bestätigt dies mit seinen Worten aus dem himmlischen Off: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Jetzt kann es also losgehen. Jesu Kampf gegen Hass, Ausgrenzung und Missgunst, sein Einsatz für Erbarmen, Vergebung, Liebe und Respekt.
Taufe ist Zuspruch und Auftrag zugleich – und das von Anfang an. So auch in unserem Leben. Auch deshalb steht die Taufe zu Beginn eines Lebens, aber auch bei der Erwachsenentaufe beginnt ein neues Leben unter anderem Vorzeichen. Ein Leben mit Gottes Zuspruch und Auftrag. Einerseits: „Du bist mein geliebtes Kind“, andererseits: „Kehre um! Entscheide dich täglich neu fürs Gute. Du wirst gebraucht!“
„Ich bin getauft. Ich bin ein Kind Gottes. Mich treibt Gottes Geist“ heißt dann, mitten im Leben stehen, manchmal kniehoch im Dreck, versucht dazu aufzugeben und alles hinzuschmeißen und das Gutsein den Besseren zu überlassen. Und gleichzeitig aber doch an der Zusage, Gotteskind zu sein, festzuhalten und all dem zu trotzen und sich zu erinnern: Mich treibt nicht der Geist der Welt, sondern Gottes Geist – seine Liebe, Vergebung und Hoffnung. Denn Gott hat mich befreit zu einem neuen Leben, safe in Gott. Und über diesem Leben steht Gottes Wort: Du bist und bleibst mein geliebtes Kind!