Direkt zum Inhalt
Prälatur Heilbronn

Echte Dampflok im Garten: Wie Manfred Schaible eine Eisenbahn baute

SPIEGELBERG – In Manfred Schaibles Garten dreht eine echte Lokomotive ihre Runden. Zunächst hatten nur seine Kinder Spaß daran, mittlerweile kommen Neugierige aus aller Welt. Von Uta Rohrmann (epd)

Eine Eisenbahn fährt durch den Garten von Manfred Schaible, links sind Farne zu sehen, rechts Gebüsch. Manfred Schaible sitzt in der Lok und schaut heraus in die Kamera Heilbronn
epd-bild/Uta Rohrmann

Schienen im Garten, auf denen eine echte Lok mit 600 Millimeter Spurweite ihre Runden dreht: Manfred Schaibles Gartenbahn dampft und tuckert auf 250 Meter Rundweg durch das kleine Paradies. Sie begeistert seit 40 Jahren große und kleine Eisenbahnfans weit über seinen Heimatort Spiegelberg hinaus.

Die technischen Highlights der Gartenbahn

Vieles auf dem idyllischen Grundstück hat der Bastler selbst entworfen und gebaut: den Lokomotivschuppen etwa und sogar die Dampflok, die ein Dampfmotor antreibt. Aus einem ausgedienten Druckbehälter einer Heizungsanlage, befestigt auf einem Maschinenständer, entstand ein Wasserturm, mit dessen Hilfe sowohl die Dampflokomotive versorgt als auch Rosen und ­Gemüse bewässert werden.

Die erste seiner vier Dieselloks entdeckte der Englisch- und Franzö­sisch­lehrer durch einen Schüler. „Anstatt Hausaufgaben zu machen, fuhr Franz immer mit dem Moped rum. So sah er, dass die Ziegelei in Steinheim an der Murr aufgelöst wurde und eine Feldbahn zum Verkauf stand. Da konnte ich ihm nicht mehr böse sein“, schmunzelt Schaible.

Die Anfänge der Leidenschaft begannen in Frankreich

Während der Schulzeit in Esslingen war ein Jugendaustausch mit der französischen Partnerstadt Vienne über mehrere Jahre hinweg prägend – nicht zuletzt für das zu­künftige Bahnprojekt. Der Vater von Manfreds Austauschpartner Maurice arbeitete bei der Staatsbahn und wollte mithilfe übriger Feldbahnschienen Gartenbeete einfassen. In dem Paket waren auch alte Loren, also Kippwagen, die die Jungs auf die Schienen stellten. Die Idee, in eine Lore einen Motor einzubauen, kam von Manfred. Gesagt, getan. Für wenig Geld ließ sich ein 2CV-Motor samt Getriebe auftreiben und aus der Lore wurde eine Lokomotive.

Manfred Schaible sitzt vor einem kleinen Häuschen in seinem Garten. Auf dem Häuschen steht auf einem rostigen Schild „Fahrkartenausgabe”. Links in Bild sind zwei Lokomotiven auf Schienen zu sehen.
epd-bild/Uta Rohrmann
Manfred Schaible mit seinen beiden Dampfloks vor dem Fahrkarten-Häusle.

Bau der Gartenbahn in Spiegelberg

„Was wir damals in Frankreich gemacht haben, kann ich hier auch“, sagte sich Schaible, als er mit seiner französischen Ehefrau und den damals drei Kindern nach Spiegelberg gezogen war und dort ein Gartengrundstück erworben hatte.

Er verlegte Schienen in der Mitte des schmalen, langen Areals. Aus einer Ziegelei in Schorndorf ergatterte er eine gebremste Lore. Der Rollwagen diente zunächst zum ­Gartentransport. Auch die Kinder setzten sich drauf, bis es ihnen zu langweilig wurde und sie sich einen Rundweg wünschten. Der Papa besorgte weitere Schienen und baute.

Von Spiegelberg bis Kairo – Die Eisenbahn begleitet Schaibles Leben

1985 beim Spiegelberger Gemeindefest war dann die erste öffentliche Fahrt: Zwei Runden mit der Gartenbahn für 50 Pfennige brachte 200 Mark zugunsten der geplanten Mehrzweckhalle ein.

Der lokalpolitisch und kulturell engagierte fünffache Vater lebte mit seiner Familie dann von 1993 bis 1997 in Kairo, wo er neben seiner Lehr­tätigkeit an der Deutschen Schule der Borromäerinnen auch für die Schulbusse Verantwortung erhielt. Danach kehrte er ins heimische Eisenbahnreich zurück.

Und auch seine Loks dürfen auf Reisen gehen. Für internationale Feldbahntreffen lädt Schaible sie hin und wieder auf den PKW-Anhänger. 

Weitere Artikel aus der Prälatur Heilbronn