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Prälatur Heilbronn

Wie Koch Jonas Kachel Essen, Glaube und Solidarität verbindet

MURRHARDT – Jonas Kachel zeigt, wie Kochen Menschen verbindet. Der Koch versteht Essen als Berufung und engagiert sich ehrenamtlich. Von Uta Rohrmann

Das Bild zeigt ein Schneidebrett, auf dem ein Koch Tomaten schneidet. Heilbronn
Unsplash/Or Hakim

Essen ist für Jonas Kachel mehr als nur Nahrung

„Wenn ich Blödsinn gemacht habe, wenn es einen blauen Brief von der Schule gab, dann habe ich meinem Papa Maultaschen gekocht“, erinnert sich Jonas Kachel. Dass Essen so viel mehr bedeutet als Nahrungsaufnahme, dass es Menschen verbinden kann und Situationen entspannen, das hat der 33-Jährige, der mit seiner Frau Angela in der Murrhardter Jugendherberge zuhause ist, schon als Kind gespürt. Es lag jedoch nicht auf der Hand, dass er einmal Koch werden würde. Als Kind wollte Jonas Anwalt werden, hatte aber keine Lust auf Schule.

Porträt von Jonas Kachel
Foto: privat
Für Jonas Kachel ist kochen eine Leidenschaft.

Zwischen Kochen, Glaube und innerer Berufung

Heute weiß der Profikoch: „Kochen ist eine Gabe, die mir geschenkt wurde. Es ist ein Mittel, durch das ich mich ausdrücken kann – hier gibt es wenig Regeln, man kann super kreativ sein und es verbindet. Mit wenig Aufwand lässt sich damit viel Gutes tun.“ Dass Jonas Kachel seine Berufung gefunden hat, hat viel mit seinem Opa zu tun, der bis zu dessen Tod sein wichtigster Weg­begleiter war. Der Diakon, der eine tiefe Ruhe ausgestrahlt habe, er­mutigte seinen Enkel.

Mach, was dir Spaß macht und dein Herz erfüllt

sagte der Großvater von Jonas Kachel

Der Junge, der manchmal nicht wusste wohin mit seinen Gefühlen von Trauer und Wut, erlebte bei seinem Großvater bedingungslose Annahme. Und dahinter Jesus. Er spürte: „Hier bist du immer willkommen. Gott ist ein liebender Vater, der dich aufnimmt, wenn du zerbrichst.“

„Sein Mahl“: Warum Jonas Kachel sein Unternehmen so nennt

Jonas Kachel lebt davon, ein Beschenkter zu sein, und hat das auch im Namen seines Unternehmens festgelegt: Sein Mahl. Früher dachte er, dass er derjenige ist, der alles kann, was er sich erarbeitet hatte. 

Der Name soll mich daran erinnern, dass ich nie wieder die Bodenhaftung verliere

erklärt Jonas Kachel

Kochen als Chance für Jugendliche und junge Erwachsene

Dass jeder Gaben hat, ausprobieren und auch Fehler machen darf, das kommt auch in Kachels Kochworkshops zum Ausdruck, die er hauptsächlich für junge Menschen anbietet – in Schulen, Jugendhäusern, Justizvollzugsanstalten und Jugendgruppen. Kachel setzt sich für eine nachhaltige Lebensmittelversorgung mit regionalen Partnerschaften ein und begleitet Betriebe bei der Umstellung auf Bio-Qualität.

Porträt von Jonas Kachel
Foto: privat
Jonas Kachel kocht ehrenamtlich für Bedürftige.

Achtsamkeit mit sich selbst und soziales Engagement

Nicht nur mit den Lebensmitteln geht er achtsam um, sondern auch mit sich selbst. Ein Einschnitt war für ihn Corona: Er merkte, dass er lange Zeit weit über seine Kraft gearbeitet hatte, und gab das eigene Restaurant in Neckarwestheim auf. Mit seiner jetzigen Arbeit kommt er ohne Lokal aus. Und ab 2026 hat er sich vorgenommen, pro Tag jeweils nur noch in einem Bereich seiner unterschiedlichen Tätigkeiten zu arbeiten. Mittlerweile arbeitet er einmal wöchentlich im Paule-Club, einer Initiative, die Suchtkranke unter der Stuttgarter Paulinenbrücke mit warmem Essen versorgt.

Lieblingsgerichte, die Erinnerungen wecken

Und einmal im Monat kommt der Koch ins Backnanger Hospiz, um den Gästen dort ihr Lieblingsmenü zuzubereiten. Oft verbinden die Menschen mit Essenswünschen gute Erin­nerungen. Einfache Gerichte wie Wurstsalat sind genauso gefragt wie Kaiserschmarrn, Kässpätzle oder Wildgerichte. Kachel serviert ein bis drei Gänge. Es kommt auch vor, dass er hier ein Gericht zum ersten Mal kocht: Kutteln zum Beispiel.

Weihnachtsfest in der Murrhardter Jugendherberge

Mit seiner Frau Angela, die die Jugendherbergen in Murrhardt und Heilbronn leitet, hat er das schönste Weihnachtsfest gestaltet, das er als Erwachsener erlebt hat: Unterschiedliche Menschen, von denen viele sonst einsam wären, feierten Heiligabend in der Murrhardter ­Jugendherberge, pflanzten einen Weihnachtsbaum, sangen, genossen ein buntes Programm und gutes ­Essen. Wer konnte, trug zehn Euro bei – willkommen waren alle.

Ein Restaurant als Ort der Begegnung

Jonas Kachel hat noch einige Ideen, um Solidarität und gutes Essen zu verbinden. Ein großer Traum von ihm: mal wieder ein Restaurant zu eröffnen. Ein kleines. Mit wenigen Tischen, an denen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Erfahrungen zusammenfinden, AfD-Wähler und Geflüchtete zum Beispiel.

Gerade uns in Deutschland geht es doch immer noch so gut 

sagt Jonas Kachel

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