Prälatur Heilbronn

Gern draußen in der Natur

ALLMERSBACH IM TAL (Dekanat Backnang) – Seit vielen Generationen sind die Allmendingers Schäfer.
Ihre Tiere leisten einen wertvollen Beitrag für die Landschaftspflege. Der Alltag der Schäfer ist anstrengend, doch die Allmendingers lieben ihn.

Schäfer Heilbronn
epd-bild/Uta Rohrmacher
Vormittags im Pferch, nachmittags auf der Weide: Schäfer Michael Allmendinger mit seinen Schafen.

Seit vielen Generationen sind die Allmendingers Schäfer. Die Tiere leisten auch einen wertvollen Beitrag für die Landschaftspflege.

Allmersbach im Tal (epd). Er war einer von fünf Azubis in ganz Süddeutschland, die die Ausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Schafhaltung absolvierten. Der Abschluss wird im Ländle nicht angeboten, daher besuchte Michael Allmendinger die Landwirtschaftliche Lehranstalt Triesdorf bei Ansbach. Der junge Schäfer, der sich derzeit in der Landwirtschaftlichen Fachschule zum Wirtschafter weiterbildet und die Meisterprüfung anstrebt, teilt die Leidenschaft vieler Generationen vor ihm:

Ich bin sehr gerne in der Natur und bei den Schafen, es macht mir Spaß, es ist ein abwechslungsreicher Beruf.

«Ich bin mit Schafen aufgewachsen und kann mir nichts anderes vorstellen», sagt auch Michaels Vater, Bernd Allmendinger, der den Betrieb in Heutensbach am Rande des Schwäbischen Waldes mit etwa 800 Mutterschafen von seinem Vater Erich übernommen hat. Drei Generationen arbeiten hier von morgens bis abends. Leicht ist dieser Beruf nicht. Bernd Allmendinger sieht ihn als Berufung. «Man muss das aus freien Stücken wollen», sagt er.

Bernd Allmendingers Großvater Theodor konnte noch von der Wolle der Tiere leben. Weite Strecken zog er mit seinen Schafen umher, im Winter von der Alb herab in mildere Gegenden, und übernachtete im Schäferwagen. Er pferchte die Schafe oft auf dem Grundstück von Bauern, die ihm im Gegenzug für den Dünger freie Kost boten. Etwa einmal die Woche sei er mit dem Motorrad nach Gammelshausen bei Bad Boll gefahren, wo sein Zuhause war, erzählt Bernd Allmendinger. Auf einem Bauernhof in Heutensbach lernte er seine Frau kennen - und blieb.

Heute sind die Schafe der Familie Allmendinger vor allem im Weissacher Tal unterwegs, im Winter auch in der Backnanger Bucht. Etwa fünf Hütehunde, die die Schäfer selbst ausbilden, achten darauf, dass die wolligen Tiere auf dem Weg bleiben, sich nicht in Gefahr begeben und kein Nachbargrundstück betreten. Auch die Lämmchen, von denen jedes fünfte ein Zwillingsgeschwisterchen hat, dürfen besonders in der warmen Zeit schon bald nach der Geburt von der Stallbox mit ihren Mamas ins Freie - zunächst in einen eingezäunten Weidebereich, bis sie mit der Herde mitlaufen.

Der wichtige Beitrag für die Landschaftspflege, den die Herden leisten, wird mit Landesmitteln honoriert. Die Schafe übernehmen die Mäharbeiten, in den Streuobstwiesen und in Steillagen, wo keine Maschinen fahren können, und fungieren mit ihrem flauschigen Fell auch als Samentaxis. Diese Ausgleichszahlung ist neben dem Verkauf von Lammfleisch aus eigener Schlachtung die wichtigste Einkommensquelle für die Schäferfamilie.

Der Markt für Wolle sei zusammengebrochen, als Baumwolle und Synthetik großgeschrieben wurden, sagt Bernd Allmendinger. Mit dem Trend zur Nachhaltigkeit werde heimische Wolle inzwischen wieder mehr geschätzt. Das geniale Naturprodukt, das im Winter wärmt und im Sommer kühlt, werde dennoch vor allem für Dünger und Dämmmaterialien verwendet. «Dafür ist es eigentlich zu schade», findet Allmendinger.

Er selbst hat mit der Firma eigengut eine Nische gefunden, um die etwa drei Tonnen Wolle, die jährlich in der Schäferei geschoren werden - zwei bis drei Kilo pro Schaf - gegen faire Bezahlung in gute Hände zu geben. Zwei Unternehmer aus dem Raum Ulm verarbeiten mit Ihren Mitarbeitern auf einem Hof in Norddeutschland jährlich zehn Tonnen vorwiegend schwäbischer Schafwolle zu hochwertigen Filzprodukten - Sitzauflagen, Rucksäcke, Taschen, Vorhänge und vieles mehr.

In einem Hofladen, den vor allem Bernd Allmendingers Frau Martina führt, können auch direkt Produkte rund um die eigene Schafwolle erworben werden - Felle, Wollsocken, gefütterte Hausschuhe für Groß und Klein, Filzprodukte, Wolle, Schafmilchseife. Auch Eier und Kartoffeln aus eigener Landwirtschaft, in der sie auch Winterfutter für die Tiere anbauen, verkaufen die Allmendingers.

Zu schaffen macht den Schäfern die Zersiedelung der Landschaft. «Es wird immer mehr zugebaut, Grünflächen verschwinden», gibt der Betriebsleiter zu bedenken. Auch der Wolf mache große Angst. «Der Aufwand, die Weiden wolfssicher zu machen, ist fast nicht leistbar. Manche Kollegen haben deswegen schon aufgehört», so Allmendinger. «Ich wünsche mir, dass wieder mehr wahrgenommen wird, welchen Stellenwert Landwirtschaft hat - was es für ein Geschenk ist, eigene Lebensmittel zu haben», sagt Bernd Allmendinger.

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