Prälatur Stuttgart

Lobpreis als Tür zum Glauben

STUTTGART-MÖHRINGEN – Ein großes musikalisches Projekt hat die Kirchengemeinde Möhringen und Fasanenhof gestartet: Ein Jahr lang macht sie sich gezielt daran, mit einem Team aus Spezialisten Angebote für Popularmusik in der Gemeinde zu entwickeln.

Stuttgart
Foto: Brigitte Jähnigen

Laurens ist Feuer und Flamme für sein Instrument. Schlagzeug zu lernen, war nach einer Instrumentenerprobung an der städtischen Musikschule Stuttgart seine Entscheidung. Damals war er sechs Jahre alt. Heute sitzt der inzwischen 14-Jährige im Untergeschoss der Auferstehungskirche in Möhringen und probt gemeinsam mit anderen Musikbegeisterten die instrumentale Begleitung des Songs „Our God – So bist nur du“. Im Nebenraum üben die Sängerinnen und Sänger, im Obergeschoss eine größere Gruppe Instrumentalisten.

Die Kirchengemeinde Möhringen und Fasanenhof hatte zuletzt durch ihren Orgelneubau im Jahr 2020 auf sich aufmerksam gemacht. Seither hat sich viel im Bereich der Kirchenmusik entwickelt, doch nun wird Pop geprobt.

Der Wunsch kam aus der Gemeinde

Kantor Leonhard Völlm

Als im vergangenen Jahr das Evangelische Jugendwerk (EJW) Projektstellen ausgeschrieben hatte, bewarb sich die Gemeinde der Auferstehungsgemeinde – mit Erfolg. So starteten vor kurzem etwa 20 Musikinteressierte mit einer Möhringer Kick-off-Veranstaltung, um Angebote für Popmusik in der Gemeinde zu entwickeln.

Brigitte Jähnigen

Ein Jahr lang werden Ulrike Cieslik (Popgesang, Songwriting), Valentin Bauer und Maximilian Röhm (beide Bandcoaching, Arrangement) mit interessierten Menschen zusammenarbeiten und Angebote für verschiedene Bereiche entwickeln. „Es können jederzeit weitere Musikfans dazukommen, nicht nur aus unserer Gemeinde. Sie können jung sein und alt, Musikneulinge oder Profis“, sagt Völlm.

Organisatorisch laufen die Fäden bei Pfarrerin Heike Meder-Matthis und Kantor Leonhard Völlm zusammen. Beim Kick-off-Tag wurde nach einem gemeinsamen Einsingen in Teilgruppen geprobt. Laurens kennt die Probenatmosphäre gut. „Ich habe Einzelunterricht, spiele aber auch im Orchester in der Musikschule“, sagt er und nimmt am Schlagzeug Platz. Schlagwerk zu lernen, heißt für ihn auch, verschiedene Rhythmusinstrumente und das Spiel auf der Marimba zu beherrschen. „Bei uns kann man alles einbringen“, sagt Leonhard Völlm.

Mit ihrer Geige kam auch die Mutter des kleinen Elias. Eigentlich hält die studierte Musikgeschichtlerin und Psychologin nicht viel von Popmusik. Der Lobpreis hat ihr die Tür geöffnet. „Er ist ein Teil meiner Identität“, sagt sie. Aus ihrer Sicht sei er „der wichtigste Zugang zum Glauben in unserer Zeit“. Texte und Musik berührten viele, sagt sie, nimmt ihre Violine und probt mit anderen den Song „Du tust“.

Großes Ziel im Herbst ist ein gemeinsames Konzert am 13. Oktober um 18 Uhr in der Auferstehungskirche. 

Das Interesse für projektbezogenes Musizieren sei groß, sagt Leonhard Völlm. Als Kantor ist er an der Breite der Kirchenmusik interessiert. „Mit der Vielfalt wollen wir allen eine religiöse Heimat bieten, der Umgang mit Texten muss reflektiert sein“, sagt der Kantor, der sich privat stark zum Jazz hingezogen fühlt. Schon der erste Tag des Projektes nach gemeinsamem Fachsimpeln, Spielen, Formen zeigte am Ende ein erfreuliches musikalisches Ergebnis. Leonhard Völlm freut auch, dass sich Menschen, die sich vorher kaum kannten, über die Musik kennengelernt haben.

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