Prälatur Stuttgart

Viel Lob für die neuen Azubis

WINNENDEN – Metzgermeister Werner Häfele hat sieben Azubis aus Simbabwe in seinem Betrieb in Winnenden eingestellt. In der Region beschäftigt er 300 Mitarbeiter in 21 Filialen, in Bietigheim stellt er seine Fleisch- und Wurstwaren her.

Stuttgart
Unsplash/Iñigo De la Maza
Foto: Leonhard Fromm

In der Wohnung über der Produktion wohnen die vier Metzgerlehrlinge aus der Hauptstadt Harare seit einem Jahr. Ihre drei Kolleginnen aus dem Süden Afrikas wohnen an den Standorten im Rems-Murr-Kreis, an denen sie seither zu Fleischerei-Fachverkäuferinnen ausgebildet werden.

Für Inhaber und FDP-Kreisrat Werner Häfele und seine Frau Margit, die sich auch in ihrer Kirchengemeinde engagieren, waren die Bewerbungen ein Segen. Der 70-Jährige, dessen Söhne bereits in der Nachfolge sind: „Uns fehlen seit Jahren dringend Lehrlinge.“ Als der Winnender 2022 per E-Mail eine Bewerbung auf Deutsch aus Harare bekam, war er deshalb bereit zu antworten. Über seine neuen Azubis ist der Chef voll des Lobes, was deren Fleiß, Ehrgeiz, Disziplin, Lernwillen und Freundlichkeit angeht. Die Gründe: Alle haben einen Fachhochschulabschluss und zwei bis drei Jahre Deutsch gelernt, so dass sie die B1-Prüfung am Goethe-Institut in Harare bestanden haben. Entsprechend sind alle 22 bis 25 Jahre alt, was deren Ernsthaftigkeit begünstigt.

Der Metzgermeister, der Ende Januar mit dem Verein Deutsch-Simbabwische Gesellschaft (DSG) aus Rheine in der Markthalle in Winnenden und der Christophorus-Gemeinde im Schelmenholz eine Aktionswoche gestaltete:

In deren Heimat liegt die Arbeitslosigkeit bei 70 bis 80 Prozent. Dort wollen 90 Prozent aller jungen Leute weg.

 

Ein Fest, bei dem sich die Azubis 140 Gästen vorstellten, besuchten auch Simbabwes Botschafterin Alice Mashingaidze aus Berlin, Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth sowie Abgeordnete aus Bundes- und Landtag.

Im Sonntagsgottesdienst predigte Pfarrerin Kerstin Hemker, Ehefrau von DSG-Präsident Reinhold Hemker, der auch Pfarrer und Ex-Bundestagsabgeordneter aus dem Münsterland ist. Häfele klärte die Festbesucher auch über rechtliche Fragen der Einreise seiner Azubis auf: So mussten seine Lehrlinge den B1-Sprachnachweis erbringen, einen Ausbildungsvertrag vorlegen, eine Unterkunft nachweisen und der Arbeitgeber muss bestätigen, dass sein Arbeitnehmer mindestens 1000 Euro brutto im Monat verdient.

Da die Vergütung zuletzt im ersten Lehrjahr ohnehin bei 920 Euro lag, schafft Häfele das locker: „Bei uns bekommt jeder Mitarbeiter ein 49-Euro-Monatsticket und er kann ganzjährig vergünstigt bei uns einkaufen.“ Auch seien die Azubis jederzeit bereit, Überstunden zu machen und Extrajobs zu übernehmen. Deren Sprachfertigkeit hat sich seit der Ankunft zudem deutlich verbessert, so dass einfache Unterhaltungen über Kultur, Land und Leute hier wie dort schon möglich und deshalb sehr informativ und teils lustig sind. So würden Metzger in Simbabwe niemals Käse oder vegane Wurst verkaufen, erzählen sie, und vom ersten Schnee waren sie fasziniert.

Auch ihr Heimweh halte sich in Grenzen, da genügend Landsleute mit dabei seien und über den DSG bundesweite Kontakte und Treffen möglich sind. Zudem sind die jungen Leute ehrgeizig: Sie wollen Meister oder Techniker werden oder Verkaufsleiterinnen. Und die Kundschaft, sofern sie überhaupt eine Meinung dazu hat, ist begeistert vom Ideenreichtum des Metzgers und der Freundlichkeit des neuen Personals.

Chefin Margit Häfele, die Aus- und Weiterbildung verantwortet, räumt aber negative Einzelstimmen ein: „Mancher hat auch gesagt, bei euch kaufe ich jetzt nicht mehr ein.“ Dagegen steht bei den Häfeles kaum mehr das Telefon still, weil sich Dutzende Kollegen erkundigen, wie auch sie zu Lehrlingen aus Simbabwe kämen.

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