Einbrüche, Diebstähle, Zerstörungen, auch persönliche Angriffe – die Zahl von Straftaten gegen christliche Einrichtungen und auch gegen Christen in Deutschland sei stark gestiegen, vermeldet die in Wien ansässige Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa. Viele Fälle werden nicht erfasst, weil es keinen politischen Hintergrund gibt – die Dunkelziffer sei hoch. Vor Alarmismus aber warnt Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl. Er beobachtet insgesamt in der Gesellschaft eine zunehmende Rücksichtslosigkeit, die auch den Umgang mit christlichen Gebäuden trifft.
Allein aus der Region Ulm/Neu-Ulm zeigen Meldungen innerhalb kurzer Zeit: In einer Blaubeurer Kirche wurde der Opferstock geplündert. Der Opferstock der Maria-Hilf-Kapelle in Senden/Ay wurde aus der Wand gerissen und geleert. Im Wallfahrtsort Marienfried bei Pfaffenhofen wurde der Opferstock aufgebrochen und der Inhalt entwendet. Aus einer Kirche in Senden wurde eine Spendenbox samt geringem Inhalt gestohlen.
Auch das Ulmer Münster ist immer wieder von Vandalimus betroffen:
Diebstähle von Opferstöcken und sakralen Gegenständen seien Probleme von Kirchengebäuden, die frei zugänglich sind, in denen sich aber oft niemand aufhält. In Großkirchen wie dem Ulmer Münster sei das anders, sagt der Ulmer Dekan Torsten Krannich: Hier sind täglich 3000 bis 4000 Besucher verzeichnet.
Die Menschen passen aufeinander auf
beobachtet Torsten Krannich.
99 Prozent der Besucher benähmen sich korrekt. Trotzdem gelang zum Beispiel auch im Münster vor eineinhalb Jahren der Diebstahl eines wertvollen Opferstockes aus dem 19. Jahrhundert. „Ein Prozent am Tag, das sind eben doch auch 20 bis 30 Leute, die sich nicht benehmen können.“ Wirklich schwierig sei es am Schwörmontag, wenn Menschenmassen zum Feiern nach Ulm kommen, oder auch in der Zeit des Weihnachtsmarktes – da werde das Münster gern als Picknickplatz missbraucht.
Leider gebe es einen solchen respektlosen Umgang von Menschen mit kirchlichen Gebäuden schon länger, erklärt Landesbischof Gohl. Echter Vandalismus sei jedoch in evangelischen Kirchen tatsächlich kein größeres Problem und habe auch nicht zugenommen. Anders sei das in katholischen. Aus diesen und aus öffentlich zugänglichen Kreuzwegstationen gibt es immer wieder Meldungen zerstörter Figuren und sakraler Gegenstände.
Das örtliche Umfeld hat an Kirchen in Ulm Einfluss auf Probleme, die dort passieren, stellt Torsten Krannich fest: So findet sich ganz in der Nähe der Martin-Luther-Kirche ein in der Szene bekannter Ort des Drogenhandels, und an der Pauluskirche nutzen Obdachlose den Eingangsbereich als Toilette und Müllplatz. „Das ist halt Großstadt“, sagt Krannich dazu.