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Prälatur ULM

KI hilft beim Erhalt des Ulmer Münsters

ULM – Eine umfassende Datenerhebung soll die langfristigen Auswirkungen des Klimas auf das Ulmer Münster ergründen. Dadurch lassen sich rechtzeitig Gegenmaßnahmen entwickeln, um die Großkirche mit ihren Kunstwerken für kommende Generationen zu erhalten. Von Achim Schmid (epd)

Ulm
epd-bild/Peter Dietrich

Das Ulmer Münster

Das Ulmer Münster ist die größte protestantische Kirche Deutschlands. Der Grundstein wurde 1377 gelegt. Für den Erhalt des Münsters müssen jährlich rund 2,7 Millionen Euro aufgewandt werden. Heute besuchen jährlich mehr als eine Millionen Menschen das Münster zu Gottesdiensten, Andachten oder Besichtigungen. 

Klimadaten für den Erhalt des Münsters

Ein umfassendes Klimadaten-Projekt soll das historische Ulmer Münster auch für kommende Generationen bewahren. 50 Sensoren seien installiert worden, erläutert der Stellvertretende Münsterbaumeister Markus Gebhardt. Kontinuierlich werden Angaben zum Raumklima in der Kirche aufgezeichnet. Das langfristige Programm, das weitgehend vom Münsterbauverein finanziert wird, liefert die Grundlage für eine genaue Analyse des „Kirchenklimas“ und von dessen Auswirkungen, etwa von Feuchtigkeit auf Fresken, Holzteile und die Orgel.

Künstliche Intelligenz hilft bei Prognosen

Durch die Auswertung der Daten mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) und den Abgleich mit dem Außenklima kann Gebhardt ­zufolge das Innenklima der Kirche in Zukunft mit hoher Genauigkeit bis zu 14 Tage im Voraus errechnet werden. So werde es möglich sein, bereits bevor sich das Wetter ändert, das Innenklima auf die Wetterprognose einzustellen. 

Durch die Datenerhebung ließen sich Gegenmaßnahmen entwickeln, wie etwa die Steuerung von Luftströmen im Münster durch Fenster und Türen, um die Luftfeuchtigkeit gezielt zu beeinflussen und der Bildung von Schimmel, etwa auf kostbaren Kunstwerken, entgegenzuwirken. 

Klimawandel hinterlässt Spuren

Über aktuelle Einordnungen hinaus sind die Klimadaten Gebhardt zufolge aber auch Grundlage für weitreichende Prognosen, wie sich Klimaänderungen auf das Münster auswirken. Durch den Rückgang des sogenannten sauren Regens hätten die schädlichen, schwarzen Gips­verkrustungen auf den Kalk- und Sandsteinen stagniert, hingegen habe der Moosbewuchs auf den ­Dächern und Mauern der Kirche zugenommen, erklärt Richard Géczi, Steintech­niker der Münsterbauhütte. 

Baupläne helfen bei der Restaurierung

Für die Bewahrung der historischen Bausubstanz des Münsters ist neben einer möglichst genauen ­Prognose in die Zukunft auch die Rückschau in die Vergangenheit unabdingbar, sagt Géczi. Es sei deshalb ein einmaliger Glücksfall, dass in der Münsterbauhütte in vielen Regalen noch Baupläne und Skizzen seit Baubeginn vorliegen. Dadurch lasse sich erschließen, welche Vorstellungen die früheren Baumeister hatten, was wiederum Grundlage für eine möglichst originalgetreue Restaurierung oder Ergänzung von schadhaften Teilen sei.

Als übergeordnetes Ziel aller Erhebungen und Baumaßnahmen sieht Geb­hardt, den sakralen Riesenbau des Münsters möglichst im Originalzustand weit in die Zukunft hinein als eine offene Kirche zu bewahren.

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