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Prälatur Ulm

Hilfe für Wohnungslose: Notschlafstellen und Ulmer Nester

Bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt, finden Wohnungslose nachts Unterschlupf in der Paketposthalle oder den Ulmer Nestern. Von Charlotte Mühlhan

Das Bild zeigt eine verschneite Straße und eine vermutlich wohnungslose Person, die mit einer dicken Jacke und Gepäck über die Straße läuft. Ulm
Foto: epd-Bild/Rolf Zoellner

Notschlafstelle für Obdachlose in Ulmer Paketposthalle

Es gibt wenige Gründe, die Paketposthalle am Ulmer Hauptbahnhof zu betreten – außer man arbeitet in der Wohnungslosenhilfe oder ist selbst obdachlos. In den Wintermonaten bietet die dort eingerichtete Notschlafstelle Schutz vor Kälte. Sie wird seit Ende 2024 genutzt, da die Bahnhofshalle aufgrund von Bauarbeiten geschlossen ist. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die andere Unterkünfte nicht nutzen können oder dort Hausverbot haben.

Links ist Stefan Brandt zu sehen, rechts neben ihm steht Lisa Bückle.
Foto: Charlotte Mühlhan
Stefan Brandt vom DRK und Lisa Bückle von der Caritas kümmern sich um die Wohnungslosen in der Ulmer Paketposthalle.

DRK und Caritas betreuen Obdachlose in Ulm

In der Paketposthalle befinden sich ein Dixiklo, Feldbetten sowie isolierte Schlafkapseln, sogenannte Kälteiglus. Für die Organisation ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) verantwortlich, das unterstützt wird durch Mitarbeitende der Caritas. Stefan Brandt vom DRK und Lisa Bückle, die die Notschlafstelle sozialpädagogisch betreut, kennen viele der Klienten hier. Bückle sieht wochentags gegen halb neun nach dem Rechten und hilft denjenigen, die nicht allein aufstehen können. Einige sind alkoholisiert oder leiden an psychischen Problemen. Immer wieder muss sie einen Notarzt verständigen.

Ich weiß nie was und wer mich morgens erwartet

erzählt Lisa Bückle, Mitarbeiterin der Caritas

Es sind zwei graue Kälteiglus zu sehen, die aussehen wie zwei graue Tunnelzelte.
Foto: Charlotte Mühlhan
Bedürftige Menschen können beispielsweise in Kälteiglus Unterschlupf finden.

Erfrierungsschutz bei Minusgraden

Die Halle ist bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nachts durchgehend geöffnet. Ruhiger Schlaf ist jedoch selten, da es immer wieder zu Unruhe kommt. Häufig bringt auch die Polizei Menschen in die Notunterkunft, die auf der Straße aufgefunden wurden. Einige Betroffene kritisieren die Zustände: Zwar wurden inzwischen Heizstrahler installiert, doch die Temperaturen liegen meist nur bei zehn bis zwölf Grad. 

Es geht darum, dass niemand nachts erfrieren soll

erklärt Stefan Brandt, Abteilungsleiter Soziale Dienste beim DRK

 

Weitere Hilfsangebote für Obdachlose

Bückle ist am Morgen dafür zuständig die Halle wieder abzuschließen. Mithilfe von Gesprächen versucht sie den Menschen Beratungsangebote näher zu bringen. Für viele Obdachlose geht der Tag in der Ulmer Vesperkirche weiter. Dort erhalten sie eine warme Mahlzeit und müssen nicht frieren. Zusätzlich bietet das DRK Ulm ein Abendessen für Bedürftige an.

Das Foto zeigt ein Ulmer Nest, eine Schlafkapsel, die weiß-türkis gestrichen ist.
Foto: Charlotte Mühlhan
In der Ulmer Innenstadt stehen zwei Nester zur Verfügung.

Ulmer Nester: Schlafkapseln für Wohnungslose

Ein weiteres städtisches Angebot neben dem Kältebus, der bei kalten Temperaturen durch die Stadt fährt, sind die Ulmer Nester. In zwei Schlafkapseln, die am Karlsplatz wie auch am Alten Friedhof von November bis März stehen, können Wohnungslose übernachten. Bückle schaut morgens vorbei, bringt den Übernachtungsgästen ein Frühstückspaket vorbei und versucht auch hier mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, um auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen.

Mir ist es wichtig, dass der Tag mit einem Lächeln beginnt.

sagt Lisa Bückle

Das Bild zeigt den Innenraum des Ulmer Nests, dass aus einer grauen Schlafmatratze besteht.
Foto: Charlotte Mühlhan
Die Ulmer Nester können in den Wintermonaten täglich genutzt werden.

Funktionsweise der Ulmer Nester

Die Nester bieten Platz für ein bis zwei Personen und dienen als niederschwelliges Angebot. Der Vorteil hierbei ist auch, dass zum Beispiel Hunde mit in die Schlafkapsel genommen werden können. Von innen lässt sich das Nest verschließen, sodass die Obdachlosen geschützt sind. Außerdem gibt es Fenster, die von außen verspiegelt sind. Über eine App werden die Nester abends geöffnet. Zudem können Mitarbeitende wie Bückle sehen, ob das Nest gerade in Benutzung ist.

Soziale Arbeit aus Überzeugung

Mit ihrer Arbeit möchte Lisa Bückle die Wohnungslosen unterstützen, dass sie ihre Rechte und bestehende Hilfsangebote wahrnehmen. Insbesondere schätzt sie dabei auch den direkten Kontakt mit den Betroffenen. Wie Bückle selbst sagt, hat für sie jeder „ein Stück vom Kuchen verdient”.

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