Prälatur Ulm

Jugenderinnerungen wecken

Beim „Chor der Vielfalt“ ist alles möglich, auch mit dem Messer geschnittene Hühnersuppe nach dem Kanon „Der Hahn ist tot“. In Ulm gibt es diesen Chor seit gut sechs Monaten und er ist beliebt bei Demenzkranken, ihren Angehörigen sowie Menschen mit Handicap.

Ulm
Foto: Roland Schütter
Foto: Roland Schütter
Irmgard Müller begleitet die Gruppe mit der Gitarre.

Im Aufenthaltsraum des Olga und Josef Kögel Hauses wird konzentriert das Abendlied zum Schluss eines musikalischen Nachmittags gesungen. Die Anwesenden lieben das „Dona nobis pacem“, sie haben es seit einem halben Jahr geübt, und singen es innig mit. Es wirkt beruhigend.

Der „Chor der Vielfalt“ versteht sich als inklusiver Chor für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen sowie Menschen mit  Handicap. Die etwa 20 Anwesenden hören Chorleiterin Irmgard Müller gut zu, sie hat ihre Gitarre mitgebracht und begleitet die Gruppe. Ehemann Gerold ist mit dabei und übernimmt mehrmals einen Teil des Chores, wenn es um das Singen eines Kanons geht. „Das klappt ja heute prima“, freut sie sich. Irmgard Müller leitet seit mehr als 21 Jahren den Kirchenchor in Bermaringen und mag die Lieder aus dem Heft „Mundorgel“, weil sie auch kirchlich sind. Mit dabei ist Christine Metzger vom Evangelischen Diakonieverband Ulm-Alb-Donau, der dieses Projekt alle zwei Wochen seit dem 4. Juli 2023 anbietet.

Foto: Roland Schütter
Das gemeinsame Singen weckt Erinnerungen an die Kindheit und Jugend.

Es kommen Menschen von Einrichtungen der Stiftung Liebenau, der Keppler-Stiftung, aus dem Kögel-Haus oder von zu Hause. Langsam hat sich der helle Raum gefüllt. Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder anderen Hilfsmitteln finden sich ein. Gleich ertönt das erste Lied, „Bruder Jakob“, und wird als Kanon probiert.

Wenn Sie einen Text auswendig können, dann singen sie ihn

fordert Irmgard Müller auf

Und so folgen Lieder aus alten Zeiten, die Erinnerungen im Gehirn wachrufen, man kann es in den Gesichtern der Singenden lesen, die sich entspannen. Ob beim Kanon „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ oder „Die Gedanken sind frei“. Nichts jedoch gegen das Lieblingslied aller: „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Bei diesem denken viele an die in der Jugend unternommenen Wanderungen zurück. Wie gut passen doch „Der Hahn ist tot“ und die von Christine Metzger vorgelesene Geschichte über die Hühnersuppe zusammen, die man mit dem Messer schneiden muss.

Dieter Held ist begeistert, denn seine Frau Annemarie lacht viel, das Programm gefällt ihr. Mehrmals spricht er liebevoll zu ihr, wenn sie unruhig wird. Für Gudrun Kirsamer ist der Singnachmittag eine willkommene Abwechslung, nachdem es mit dem Singen im Chor nicht mehr so klappt, wie Ehemann Karl-Heinz erzählt.

Weitere Informationen und Kontakt unter Telefon 0731-1538504.

„Das Singen ist etwas für Leib und Seele, es wirkt wie eine Tankstelle“, berichten die Fachfrauen. Sie freuen sich, wenn gelegentlich mal jemand Fremdes für eine Weile um die Ecke guckt und dem Treiben zuschaut. Damit das Mitsingen einfacher geht, stimmt Irmgard Müller die Lieder um drei bis vier Töne tiefer an, das hat sich bewährt. „Wir bekommen immer etwas von dem, was wir geben, zurück“, unterstreicht sie mit einem Lächeln im Gesicht. Und eine Idee für die  Zukunft? Ja, ein Schlagernachmittag wäre klasse, wünschen sich die Mitarbeiter.

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