Prälatur Ulm

Vom Säen bis zum Ernten

SEISSEN (Dekanat Blaubeuren) – Seit dem Frühjahr sind die Gartenkinder immer wieder in „ihrem“ Garten in Seißen. Sie haben gesät, gehackt oder gegossen. Nun war Kartoffelernte. Einen Teil davon werden die Kinder an Erntedank in die Kirche bringen.

Ulm
Margot Autenrieth-Kronenthaler
Vom Anbau übers Gießen bis zur Ernte und Verkostung ‒ die Kinder lernen alles über Kartoffeln und andere Lebensmittel.

Kohlrabi, Kartoffeln, Kürbis und ­vieles mehr gedeihen prächtig im Garten der Landfrauen in Seißen. Seit Mai bewirtschaftet der örtliche Landfrauenverein einen Garten am Ortseingang und bietet darin Projekte für Jung und Alt an. Neben ­großen Gemüsebeeten wachsen hier auch Johannisbeeren oder Brom­beeren. Karin Rau erläutert das Projekt „Gartenkinder“: „Wir wollen mit Kindern gärtnern und sie für den Garten animieren. Gesunde Ernährung fängt hier an. Es ist ein Herzens­projekt von mir“, sagt die Landfrau. „Es geht darum, Spaß und Freude an der Natur zu vermitteln.“ Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich, dass vor jedem Haus ein Gemüse­garten angelegt wird oder Familien Schrebergärten bewirtschaften. Das Wissen um den Gemüseanbau droht verloren zu gehen. Deshalb wollen die Landfrauen auch Erwachsenen Alltagskompetenz in Sachen Gärtnern vermitteln. Einzelne Beete im Garten werden als „Familienbeete“ zur Verfügung gestellt, das zweite Landfrauen-Projekt.

Bei den „Gartenkindern“ kommen die Kinder im Grundschulalter in den Garten und werden von Karin Rau, Elisabeth Knoll und Bärbel Schneider betreut. Sie haben die ­Böden mit den Kindern bearbeitet, Kartoffeln gesteckt, Kürbispflanzen gesetzt sowie Erbsen und Bohnen gelegt oder Karotten gesät. Im trockenen Sommer waren sie regel­mäßig beim Gießen. Heute geschieht das, was am meisten Spaß macht: Es wird geerntet. Die Kartoffeln sollen aus der Erde. Die Gartenkinder sitzen zuvor im Kreis und Elisabeth Knoll fragt sie nach dem Erntedankfest. „Da wird Essen für die Armen aus dem Garten gespendet“, weiß die zehnjährige Julia. Florin hat schon gesehen, dass die Gaben vor den Altar gelegt werden. Wieso das gemacht wird? „Wir wollen Danke sagen, dass so viel wächst und es uns so gut geht“, erläutert die langjährige ehemalige Kindergarten­leiterin. Bei wem wir uns bedanken? „Bei Gott“, sagt Lia.

Margot Autenrieth-Kronenthaler
Margot Autenrieth-Kronenthaler
Margot Autenrieth-Kronenthaler

In der Mitte liegen verschiedene ­Sorten Kartoffeln. Einzelne werden aufgeschnitten, es sind hell- und dunkelgelbe oder auch lilafarbene dabei. Die Kinder erinnern sich, dass sie im Frühjahr die Mutterkartoffel in die Erde gesteckt haben. „Was ­haben die Kartoffeln ­gebraucht?“, fragt Karin Rau. „Wärme und Wasser“, wissen die Kinder. Ob wohl bei ihnen allen Kartoffelkinder gewachsen sind? Es wird spannend. Den Kindern wird gezeigt, wie sie behutsam die Kartoffeln ausgraben können, ohne sie zu zerhacken. Die Begeisterung ist groß, als die ersten Knollen erscheinen. ­Jedes Kind bekommt eine kleine ­Hacke und gräbt mit großem Eifer seine ­eigenen Pflanzen aus. Es ist wie eine kleine Schatzsuche. Julia freut sich, als sie die größte Kartoffel, den „Kartoffelkönig“, ausgegraben hat. „Ernten macht am meisten Spaß“, sagt sie. Und was die Mama draus machen soll? „Am liebsten Kartoffelbrei.“ 27 Kartoffelkinder sind aus einer Mutterknolle gewachsen.

Margot Autenrieth-Kronenthaler
Sorgfältig haben die Gartenkinder die Knollen aus der Erde gegraben ‒ und können stolz auf ihre Ernte sein.

Die Betreuerinnen weisen auf die giftigen Früchte des Nachtschattengewächses hin. Die Kinder erfahren, dass die Pflanzen zunächst wegen ihrer schönen Blüten angebaut worden sind. Als sich ein Regenwurm in der Erde ringelt, wird darauf hin­gewiesen, dass die Würmer wichtige Helfer im Garten sind und den Boden locker machen. „Die Kinder sind mit viel Begeisterung bei der Sache“, hat Bärbel Schneider beobachtet. Das Bewusstsein, wie wichtig und wertvoll die Erde und die Natur sind, wachse bei den Kindern. „Nur durch selber Tun lernt man, wie es geht“, weiß Elisabeth Knoll. Auch, dass nichts selbstverständlich sei, dass manches nicht anwachse oder schlecht gedeihe, gehöre zum Lernprozess. Und die Kinder lernen, wie unverarbeitete Lebensmittel schmecken.

Sechs Kinder kommen momentan jede zweite Woche für mehrere Stunden am Nachmittag. Sie gärtnern nicht nur, sondern vespern auch gemeinsam. Darüber hinaus gibt es Zusatzangebote, wie etwa den Wassertank bemalen oder Kräutersträuße binden. Florin kommt sehr gerne. „Ich freue mich immer drauf“, meint der Grundschüler. „Am liebsten gieße ich, da haben wir ein Spiel dazu erfunden“, erzählt der Achtjährige. Seine Mutter Marina Rösch findet das Projekt super. „Alle Kinder kommen glücklich und fröhlich heim, das ist bei Florin so und die anderen Eltern berichten das ebenfalls“, erzählt die 37-Jährige. Heute darf jeder seine Kartoffeln mit nach Hause nehmen. Die Kinder freuen sich schon auf Kartoffel­salat, Pommes oder Suppe.

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